RTL-Reporter decken auf: Schockierende Sicherheitslücken an deutschen Flughäfen

11. September 2017 - 19:37 Uhr

Sicherheitskontrollen an Flughäfen weisen entscheidende Lücken auf

Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 haben Flughäfen weltweit ihre Sicherheitsstandards aufgerüstet, so auch in Deutschland. Doch die Sicherheitskontrollen weisen immer noch entscheidende Lücken auf. Dies sind die Rechercheergebnisse des RTL-Magazins 'EXTRA', welches zum 16. Jahrestag der Terroranschläge eine investigative Reportage zum Thema Flugsicherheit zeigte.

Plastische Sprengstoff-Attrappen konnten jedes Mal durch den Sicherheitscheck gelangen

In einem Selbsttest nahmen RTL-Reporter die Sicherheitskontrollen an mehreren deutschen Flughäfen unter die Lupe und stießen hierbei auf erschreckende Ergebnisse: Plastische Sprengstoffe könnten trotz Sicherheitscheck durch die Kontrolle und damit an Bord eines Flugzeugs gelangen. 

Überarbeitete und mangelhaft ausgebildete Mitarbeiter am Sicherheitscheck, lange Warteschlangen durch steigendes Passagieraufkommen und dazu eine überholte Sicherheitstechnik: Mitarbeiter der Fluggast-Kontrolle Düsseldorf sowie Vertreter von ver.di haben sich an RTL mit dem alarmierenden Appell gewandt, dass so die Sicherheit der Passagiere vor Sprengstoff-Attentaten im Flugzeug nicht mehr gewährleistet werden kann.

"Wir bekommen unsere Schulungen, die uns vorgeschrieben werden vom Bundesministerium des Innern. Nur, was wir bemängeln, ist, dass wir nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind. Wir haben Ausbildungsprogramme von 2009, und die Technik entwickelt sich ja immer weiter. Das heißt, dass auch der Terrorismus diese Technik kennt", sagte ein Sicherheitsmitarbeiter RTL. Auch ver.di-Gewerkschaftssekretär Özay Tarim betont: "Unter diesen schwierigen Bedingungen können wir die Sicherheit nicht garantieren!"

Sicherheitssysteme am Flughafen spüren nur Metall auf

RTL-Luftfahrtexperte Ralf Benkö und RTL-Reporter Burkhard Kreß haben dies zum Anlass genommen, die Sicherheit an deutschen Flughäfen genauer zu überprüfen. Insgesamt zehn Mal stellt das RTL-Team die Sicherheitskontrollen an verschiedenen Flughäfen auf die Probe, darunter auch die Standorte Düsseldorf, Stuttgart und Berlin-Tegel. Zusammen mit Sprengstoffexperte Michael Rupalla bauen die RTL-Reporter auf einem Testgelände der Firma 'Dynamit Nobel' ein Plastik-Sprengstoff-Imitat, das echtem Sprengstoff absolut ähnlich sieht und sich auch so im Sicherheits-Scan verhält.

Von der Attrappe geht zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Öffentlichkeit aus. In der Sicherheitskontrolle am Flughafen müsste das Sprengstoff-Imitat allerdings unbedingt beim Personal Verdacht erregen. "Wir haben den vermeintlichen Plastik-Sprengstoff beispielsweise gut getarnt als Fersenheber im Schuh eingebaut", erläutert RTL-Reporter Burkhard Kreß. "Da die Sicherheitssysteme nach wie vor primär auf das Aufspüren von Metall ausgerichtet sind, konnte ich aber tatsächlich unbehelligt passieren."

RTL-Luftfahrtexperte Ralf Benkö ergänzt: "Die Kontrolleure sind darauf geschult, nach fertigen Bomben zu suchen. Dabei wird vergessen, dass es ebenso möglich ist, einzelne Bestandteile eines Sprengsatzes an Bord eines Flugzeugs zu schmuggeln." Arnd Krummen von der Gewerkschaft der Polizei bestätigt: "Wenn dann mehrere Komponenten an unterschiedlichen Personen in ein Flugzeug transportiert werden, dann besteht ja doch wieder die Möglichkeit, gewisse Dinge zusammenzuführen." Er fordert eine Auswertung der Testergebnisse durch die Bundespolizei, weil Mitarbeiter der Fluggast-Kontrollen mit diesen Gefahren unbedingt rechnen müssten. 

Sprengstoffexperte Michael Rupalla: "Die Terroristen wissen das schon lange! Wir brauchen den Terroristen nichts zu erklären. Wir wollen zeigen, dass WIR besser aufpassen müssen. Wir müssen mehr kontrollieren, wir müssen uns mit diesem Gedankengut ein bisschen mehr beschäftigen. Die sind uns voraus. Wir müssen den Sicherheitsleuten erklären, wie es funktioniert. Und da ist meine Meinung, wenn ich mit Sicherheitsleuten rede, dass sie alle sagen, wir machen das zu oberflächlich."

Die RTL-Reporter gehen noch einen Schritt weiter, um die Sicherheitsstandards am Flughafen zu untersuchen. Mit Sprengstoffexperte Michael Rupalla fertigen sie bei einem zweiten Test einen weiteren Gegenstand an. Von außen sieht er aus wie ein harmloser kleiner Bus aus Schokolade. Jedoch handelt es sich hierbei um ein komplettes Bomben-Imitat, bei dem das Sprengstoff-Imitat als Marzipanmasse getarnt ist und auch Zünder und Batterie nicht als solche erkennbar sind. Ob das Sicherheitspersonal dieses Mal eingreift?