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RTL Nachtjournal Spezial: Bedenkliche Sicherheitsmängel in deutschen Atomkraftwerken

Deutsche Atomkraftwerke haben Sicherheitsmängel
Deutsche Atomkraftwerke haben Sicherheitsmängel Nachtjournal Spezial: "Marode Meiler" 01:23

"Marode Meiler": Noch drei Jahre bis zur Abschaltung

Sieben Atomkraftwerke sind in Deutschland noch in Betrieb. Obwohl sie erst in drei Jahren vom Netz genommen werden sollen, steht es schlecht um ihre Sicherheit. Gemeinsam mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum CORRECTIV hat das RTL Nachtjournal bedenkliche Sicherheitsmängel in den bis zu 42 Jahre alten Atommeilern recherchiert. Die Hauptschwachstellen sind danach die Brandschutzklappen. 

Alte Brandschutzklappen "können im Brandfall entscheidend sein"

Wegen der Radioaktivität sind Atomkraftwerke so konstruiert, dass man im Falle eines Brandes Räume ausbrennen lässt. Damit kein giftiger Rauch in andere Räume gelangt, müssen Brandschutzklappen die Lüftungsanlagen dicht machen. Diese Klappen sind fest im Beton verbaut. Und das ist ein Problem. "Jede Technik - und das gilt natürlich auch für den Brandschutz - hat ihr Verfallsdatum", sagt Brandschutz-Gutachter Matthias Dietrich. Insbesondere die ganz alten, noch nicht so massiven und stabilen Klappen könnten nach seinen Erkenntnissen eventuell unsichtbare Haarrisse und Beschädigungen haben. "Die können im Brandfall entscheidend sein, weil dann plötzlich ein Teil der Klappe wegplatzt und hier das Schutzniveau nicht erreicht wird, was wir eigentlich von dieser Klappe erwarten", so Dietrich.

Eine Nachrüstung oder ein Austausch der Brandschutzklappen wäre also eigentlich dringend erforderlich, doch das wäre mit einem immensen Aufwand und hohen Kosten verbunden. "Auf Basis der Antworten der Betreiber von zwei AKWs sind wir zu dem Schluss gekommen, dass 5.500 Brandschutzklappen in allen AKW in Deutschland für Brandschutz sorgen sollen, und dass seit Inbetriebnahme lediglich 20 ausgetauscht wurden", sagt Bastian Schlange, Journalist bei CORRECTIV.

"Es wird darauf gesetzt: Es wird schon nichts passieren."

RTL-Nachtjournal-Moderator Maik Meuser in einem Atomkraftwerk
RTL-Nachtjournal-Moderator Maik Meuser besuchte im Rahmen der Recherchen ein Atomkraftwerk. © RTL

Die Naturschutzorganisation BUND warnt vor den Risiken. Thorben Becker, zuständig für Atompolitik, hat den Eindruck, nicht die Sicherheit der Bevölkerung stehe an erster Stelle, sondern wirtschaftliche Interessen der Betreiber. "Es wurden von vielen Experten Nachrüstungen auch für die deutschen AKW gefordert, von denen viele bis heute nicht umgesetzt wurden", erklärt Becker. Es finde an keinem der noch laufenden AKW in Deutschland eine periodische Sicherheitsüberprüfung in der Restlaufzeit statt, so der Naturschützer weiter. "Das sind schon gefährliche Zeiten. Es wird darauf gesetzt: Es wird schon nichts passieren."

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