RTL/n-tv-Trendbarometer: Die SPD im steten Niedergang – was sind die Gründe?

Im RTL/n-tv-Trendbarometer kommt die SPD nur noch auf 17 Prozent der Stimmen.
Im RTL/n-tv-Trendbarometer kommt die SPD nur noch auf 17 Prozent der Stimmen.
© dpa, A3818 Klaus-Dietmar Gabbert

03. September 2018 - 14:26 Uhr

Keiner leidet wie die SPD

Wie lange dauert ein freier Fall? Unterschiedlich – der Fall der SPD jedenfalls will anscheinend nicht enden. Es ist ein stetes, mittlerweile jahrelanges Ankämpfen gegen den Aufschlag auf dem Boden. Oder ist die SPD bereits am Boden –auf die Erste Hilfe oder den endgültigen Zerfall wartend. Keine andere Partei hat unter der Veränderung der Parteienlandschaft so gelitten wie die SPD.

SPD, Grüne und AfD in Sonntagsfrage nahezu gleichauf

Wäre jetzt Bundestagswahl, würde sich das einmal mehr deutlich niederschlagen. SPD, Grüne und AfD lägen nahezu gleichauf. Insgesamt ergäbe sich folgende Stimmverteilung: CDU/CSU 30 Prozent (Bundestagswahl 32,9), SPD 17 Prozent (20,5), FDP 8 Prozent (10,7), Grüne 16 Prozent (8,9), Linke 8 Prozent (9,2), AfD 16 Prozent (12,6). Fünf Prozent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2). 26 Prozent aller Wahlberechtigten sind derzeit unentschlossen oder würden nicht wählen (Nichtwähler 2017: 23,8 Prozent).

Nur zwölf Prozent der Arbeiter würden laut Wahlumfrage SPD wählen

Gerhard Schröder (li., Deutschland/SPD/Ministerpräsident Niedersachsen) neben Oskar Lafontaine (Deutschland/SPD-Bundesvorsitzender/Ministerpräsident Saarland) während eines Waldspaziergangs im Saarland bei Orscholz
Vor dem Fall: Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine, als die Welt noch in Ordnung war
© imago/sepp spiegl, imago stock&people

Aber warum stürzt die SPD seit einer gefühlten Ewigkeit ab? In den Zeiten kurz nach Vorstellung und Umsetzung der Agenda 2010 fiel die Erklärung relativ leicht. Viele Parteilinke um Gerhard Schröders Nemesis Oscar Lafontaine wollten dem Kurs des damalige Kanzlers nicht folgen, spalteten sich ab, fusionierten mit der PDS und schufen so die Linke. Eine neue Heimat für linke SPD-Wähler wie Anfang der 80er-Jahre schon die Grünen. Dieser Logik folgend, sollte doch eine Partei, die sich rechts der CDU befindet, die Umfragewerte der Union dezimieren? Das geschieht auch zum Teil, aber nicht in dem Maße, in dem die SPD Federn lässt. Auch die SPD leidet unter dem Erstarken der AfD und dem ungefähr siebten Frühling der Grünen. Der SPD bricht das Fundament weg, das zeigt ein genauerer Blick auf die Umfragezahlen.

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Schlechter als 1933

Für das Trendbarometer hat Forsa die Daten von mehr als 10.000 Befragten ausgewertet. 17 Prozent der Wähler würden derzeit der SPD ihre Stimme geben. Von allen Wahlberechtigten wären das nur 13 Prozent und somit die schwächste Wählermobilisierung, die die SPD je bei einer Bundestagswahl zu verzeichnen hätte. Die Zahl der SPD-Wähler war zu Zeiten von Willy Brandt und Helmut Schmidt mit 41 bzw. 38 Prozent aller Wahlberechtigten bei den Wahlen 1972 und 1976 dreimal höher als heute. Und selbst bei den für die deutsche Sozialdemokratie schwächsten Reichstagswahlen im Mai 1924 und der "Hitler-Wahl" 1933 gaben mehr Wahlberechtigte (15,7 bzw. 16,1 Prozent) der SPD ihre Stimme, als sie derzeit wählen wollen.

Nicht erkennbar, dass sich die SPD kümmert

Das Fazit von Forsa-Chef Prof. Manfred Güllner gegenüber der Mediengruppe RTL fällt entsprechend vernichtend aus: "Das zentrale Problem der SPD ist, dass sie ihre früheren Wähler aus der politischen und gesellschaftlichen Mitte verloren hat. Die meisten Wahlberechtigten (54 %) ordnen sich selbst der Mitte zu – aber nur neun Prozent von ihnen würden derzeit sozialdemokratisch wählen. Nur fünf Prozent dieser Mitte-Wähler trauen der SPD zu, die politischen Probleme des Landes zu lösen. Ohne die Rückgewinnung der Mitte kann die Partei aber keine Renaissance erleben. Es ist allerdings nicht erkennbar, dass sich die SPD überhaupt um die Sorgen und Wünsche der Mitte kümmert."