Iranischer General auf Trump-Befehl bei Raketenangriff getötet

RTL-Korrespondent Dirk Emmerich: Teheran wird das nicht einfach hinnehmen

Protest against the assassination of Iranian Major-General Soleimani in Tehran
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03. Januar 2020 - 15:51 Uhr

Nach US-Raketenangriff: Iran ruft zur Vergeltung auf

Nach der Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani hat der Iran Rache geschworen und zur Vergeltung aufgerufen. Die irakischen Schiiten-Milizen unterstützen den Aufruf, die libanesische Hisbollah hat sogar alle "Widerstandskämpfer" weltweit zu einer Gegenreaktion verpflichtet. Damit spitzt sich die ohnehin brisante Lage rund um den Iran einmal mehr zu.

Von RTL-Korrespondent Dirk Emmerich

Iran-USA-Konflikt. RTL-Korrespondent Dirk Emmerich
Dirk Emmerich schätzt die Lage im Iran-USA-Konflikt ein
© RTL, Archiv

General Ghassem Soleimani war nicht irgendwer im Iran. In der Führungshierarchie war er de facto der zweitmächtigste Mann des Landes. Er befehligte die Al-Qud-Brigaden, die Eliteeinheit der Revolutionsgarden, die vor allem im Ausland aktiv ist, insbesondere im Irak und Syrien. Teheran ist neben Moskau der engste Verbündete des syrischen Machthabers Assad.

Mit der Einschätzung, dass Soleimani als Drahtzieher für die jüngste Eskalation rund um die amerikanischen Einrichtungen im Irak verantwortlich ist, dürfte US-Präsident Trump richtig liegen, zumal er ja nicht im Iran, sondern im Irak getötet wurde. Insofern unterliegt seine Tötung aus militärischer Sicht sogar einer nachvollziehbaren Logik mit der Botschaft: Das lassen sich die USA nicht einfach gefallen. Man habe lange genug stillgehalten.

Joe Biden kritisiert Donald Trump: Stange Dynamit in ein Pulverfass geworfen

Aus politischer Sicht ist die Tötung dennoch ein womöglich großer Fehler. Nicht nur, dass alle Bemühungen des von Washington gekündigten Atomabkommens durch die Hintertür doch noch irgendwie zu retten, zunichte gemacht werden. Es droht eine verheerende Eskalation der Gewalt, bei der weder Ausmaß noch Ort vorhersehbar sind. Teheran kann und wird die Tötung eines Generals von seinem Kaliber nicht einfach hinnehmen.

Man stelle sich vor, eine ausländische Macht würde einen Anschlag etwa auf den US-Vizepräsidenten verüben. Der Aufruf des Iran zur Vergeltung ist daher überaus ernst zu nehmen. Joe Biden, möglicher Herausforderer von Donald Trump bei den bevorstehenden Präsidentenwahlen im Herbst, spricht in seiner Reaktion nicht ohne Grund von einer Stange Dynamit, die Trump in ein Pulverfass geworfen habe.

Auch Bundeswehr-Mission im Irak in Gefahr?

Kurzfristige Vergeltungsmaßnahmen könnten sich nicht nur gegen die US-Streitkräfte in der Region richten, sondern auch gegen andere Staaten. Auch die Bundeswehr, die mit einem 130-Mann-Kontingent im Irak aktiv ist, könnte plötzlich im Fokus stehen. FDP und Grüne stellen die Mission inzwischen in Frage.

Mittel- und langfristig droht sich die seit langem brandgefährliche Lage nochmals weiter hochzuschaukeln. Wie reagiert Saudi-Arabien, was macht Israel, welche Schritte unternimmt Russland, um nur drei der wichtigsten Akteure in der Region zu nennen.

Trump mag gerade noch betont haben, dass er keinen Krieg gegen den Iran wolle und ein Freund des Friedens sei. Die von ihm befohlene Tötung Soleimanis ist unter dem Strich nichts anderes, als eine offene Kriegserklärung an Teheran und für die gesamte Region. Ausgang völlig ungewiss.