RTL-Interview mit Kanzlerin Angela Merkel: "Eine Ermutigung, nicht nachzulassen"

11. Dezember 2012 - 9:53 Uhr

Peter Kloeppel trifft Angela Merkel

Kurz nach der Verleihung des Friedensnobelpreises hatte RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel die Gelegenheit mit Bundeskanzlerin Merkel über dessen Bedeutung für die Europäische Union zu sprechen, aber auch über die Frage wie sich die EU in den kommenden Jahren weiterentwickeln kann.

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Kanzlerin Merkel spricht im RTL-Interview mit Peter Kloeppel über die Europäische Union.
© RTL / Dirk Schwarz

Sie sei "ganz anders als sonst sehr bewegt" gewesen, als sie von der Vergabe des Nobelpreises an die EU erfahren habe, so die Kanzlerin im RTL-Interview. Gerade im Zeichen der anhalten Finanz- und Schuldenkrise ausgezeichnet zu werden, habe sie "als unglaublich ermutigend empfunden".

"Ich glaube, dass es ein wunderbarer Moment ist, einmal darüber nachzudenken, was unsere Vorgänger geschaffen haben, von Konrad Adenauer über Helmut Kohl, von Schuman über Monet und viele, viele andere. Aber es ist vor allem für die, die heute politisch aktiv sind, eine Ermutigung, nicht nachzulassen", so Merkel.

Merkel: "Ich bin vorsichtig optimistisch"

Auf die Frage, ob das Schlimmste in der Euro-Krise überstanden sei, sagte Merkel: "Ich glaube, dass die Internationale Gemeinschaft verstanden hat, dass der Euro von uns verteidigt wird. Ich glaube noch nicht, dass wir unsere Wettbewerbsfähigkeit wieder gewonnen haben, da müssen die Reformen in vielen Ländern noch weitergehen. Ich glaube auch noch nicht, dass wir die Art von Zusammenarbeit gefunden haben in der Eurogruppe, die wir brauchen, aber wir sind auf einem guten Weg. Wir haben in den letzten zweieinhalb Jahren gezeigt, wir wollen das schaffen, aber wir sind immer noch mitten im Prozess drin. Ich kann noch keine Entwarnung geben vollkommen, ich bin vorsichtig optimistisch."

Was der EU heute noch fehle, sei die Wettbewerbsfähigkeit. "Wir müssen jetzt gucken, dass wir unseren Wohlstand für die Zukunft erhalten können. Das bedeutet vor allem Arbeitsplätze, dazu brauchen wir Wachstum, dazu brauchen wir die Tatsache, dass wir nicht immer auf Pump leben, sondern dass wir mit dem auskommen, was wir erarbeiten. Das sind jetzt die Herausforderungen für unsere Generation." Das norwegische Nobelpreiskomitee habe der EU "ein Vertrauen ausgesprochen, kombiniert mit einer Erwartung" so Merkel weiter. Es gelte, die 500 Millionen Europäer zusammenzuhalten, enger zusammenzuarbeiten und vor allem die gemeinsamen Werte zu verteidigen.