Ex-Nationalspieler im Exklusiv-Interview

RTL-Experte Klinsmann scheut sich nicht, Löw seine Meinung zu sagen

20. März 2019 - 21:57 Uhr

Früheres Trainergespann trifft sich wieder

Wenn Deutschland im ersten Länderspiel des Jahres auf Serbien trifft (20.45 Uhr/live bei RTL und im Stream bei TVNOW), kommt es auch zum Aufeinandertreffen zweier alter Bekannter. Auf der einen Seite Bundestrainer Joachim Löw, auf der anderen Seite TV-Experte Jürgen Klinsmann. Dieser wird die Arbeit seines früheren Assistenten einschätzen. Dass der 54-Jährige sich auch mal kritisch äußern wird, glaubt ein gemeinsamer Weggefährte der beiden.

Rückblick zum Sommermärchen

Seite an Seite, beide im weißen Hemd und in schwarzer Hose, beide mit der Bronze-Medaille um den Hals: Bundestrainer Jürgen Klinsmann und sein Co Joachim Löw haben Deutschland gerade auf den 3. Platz bei der WM im eigenen Land geführt.

13 Jahre später: Löw ist mittlerweile Cheftrainer des DFB-Teams, Klinsmann steht auf der Kritikerseite und hat die Aufgabe, die Arbeit seines früheren Kollegen einzuschätzen. Dass das problemlos funktionieren wird, glaubt Jens Nowotny. Im Gespräch mit RTL.de hat der Ex-Nationalspieler verraten, wie er das Sommermärchen-Trainergespann erlebt hat und was er sich von Klinsmann als TV-Experten wünscht.

Klinsmann, der Milde?

German Assistant coach Joachim Loew (l) talks with defender Jens Nowotny during a training session of the German National soccer team on Wednesday (24.05.2006) in Geneva, Switzerland. The German national team prepares for the World Cup 2006 in a trai
Jens Nowotny spielte von 1997 bis 2006 in der Nationalmannschaft
© dpa/dpaweb, A3250 Oliver Berg

Das Verhältnis zwischen Löw und Klinsmann könne Nowotny mit drei Worten beschreiben: "Professionell. Freundschaftlich. Respektvoll." Das werde sich auch dann nicht ändern, wenn Klinsmann als TV-Experte die Aufgabe hat, die Arbeit des Bundestrainers kritisch einzuschätzen. Nowotny selbst habe Klinsmann immer als jemanden erlebt, der seine Meinung zwar klar, aber vor allem fair äußert. "Er war nicht derjenige, der von oben herab bestimmt hat, sondern von rechts und links Meinungen eingeholt hat", sagte der 45-Jährige.

Dass Klinsmann gegenüber seinem früheren Trainerkollegen Milde walten lassen wird, glaubt Nowotny nicht: "Jürgen war schon immer jemand, der den Finger auch in die Wunder gelegt hat, wenn es sein muss. Ich glaube, das wird er auch jetzt wieder tun."

Nowotny schätzt besonders eine Eigenschaft

Und das hat er ansatzweise schon getan: Die Situation von Löw nach der umstrittenen und viel diskutierten Ausbootung der Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng hält der DFB-Trainer von 2004 bis 2006 für hochbrisant. "Ich weiß nicht, wie die Art und Weise war, ich habe nicht mit Jogi telefoniert. Aber hoffentlich in der Form, dass du immer wieder auf sie zukommen kannst. Was machst du denn, wenn Thomas Müller Torschützenkönig wird und auf einmal durchstartet?", fragt der frühere Bundestrainer, der sich ein Umdenken bei Löw durchaus vorstellen kann. "Wenn sich das Leistungsbild ändert, dann glaube ich doch, dass er die Courage hat, bei den Jungs anzurufen."

Vor dem Aufeinandertreffen von TV-Experte Klinsmann und Trainer Löw ist Nowotny daher überzeugt, "dass Jürgen Klinsmann seine Meinung gegenüber Joachim Löw ganz klar sagen wird". Eine Eigenschaft des 54-Jährigen hebt der Ex-Fußballer hervor: "Es war immer schon so, dass er den Respekt gewahrt hat. Wenn es um Positionen oder die Institution DFB geht, wird er schon kritisch sein, aber nie persönlich werden."

Vor allem eines wünscht sich Nowotny von seinem früheren Trainer: "Jürgen hat sich nie verstellt. Das soll er sich beibehalten."