Rousseff reicht Demonstranten die Hand: "Großer Pakt" für ein besseres Brasilien

23. Juni 2013 - 9:41 Uhr

Präsidentin kündigt Dialog mit Protestbewegung an

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat sich die Forderungen der Demonstranten zu eigen gemacht und einen "großen Pakt" für ein besseres Brasilien versprochen. Sie lobte die friedlichen Proteste und verurteilte die Gewalt einer Minderheit, die Chaos in die Städte tragen wolle.

Proteste in Brasilien
Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hat angesichts der Massendemonstrationen gegen soziale Missstände einen Dialog mit der Protestbewegung angekündigt.
© dpa, Sebastiao Moreira

"Die Stimme der Straße muss gehört und respektiert werden und kann nicht verwechselt werden mit dem Krach und der Grausamkeit einiger Rabauken", sagte Rousseff in einer landesweit übertragenen TV-Ansprache. Rousseff kündigte an, die Mängel im öffentlichen Dienstleistungssystem zu beseitigen. Es solle ein Plan zur Verbesserung des öffentlichen Transportwesen entwickelt, mehr Geld aus den Öleinnahmen in die Bildung investiert und Ärzte aus dem Ausland nach Brasilien geholt werden.

Die friedlichen Proteste zeigten "die Kraft unserer Demokratie und den Wunsch der Jugend, dass Brasilien vorankommt". Die direkte Botschaft der Straße sei friedlich und demokratisch. "Sie fordert einen systematischen Kampf gegen die Korruption und die Veruntreuung öffentlicher Gelder. Alle kennen mich. Davon (von diesem Kampf) werde ich nicht ablassen", sagte die Präsidentin. Zur Korruptionsbekämpfung sei vor allem Transparenz und Strenge wichtig. Rousseff kündigte an, Gouverneure, Bürgermeister und die Anführer der friedlichen Protestgruppen zusammenzurufen.

Proteste gehen weiter

Am Freitagabend protestierten in mehreren Städten des Landes erneut tausende Menschen gegen Korruption und soziale Missstände. In Barra da Tijuca im Westen Rios, wo derzeit das Olympische Dorf für die Sommerspiele 2016 entsteht, setzte die Polizei kurzzeitig Tränengas ein. Friedliche Protestzüge gab es in Rios bekannten Vierteln Ipanema und Leblon. Auch im Großraum São Paulo marschierten tausende Menschen. Sie besetzten zentrale Straßen, die São Paulo mit dem internationalen Flughafen Guarulhos verbinden.

Die Proteste richten sich auch gegen die Milliarden-Ausgaben für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Rousseff betonte die Chance des Sportgroßereignisses für Brasilien. Brasilien sei fünffacher Weltmeister und bei den Turnieren immer gut empfangen worden. Auch Brasilien müsse seinen Gästen einen großzügigen Empfang bereiten: "Respekt, Warmherzigkeit und Freude - so müssen wir unsere Gäste behandeln. Brasilien wird eine großartige WM ausrichten."