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Roter-Punkt-Aktion: Schienenersatzverkehr selbst organisiert

Roter-Punkt-Aktion: Schienenersatzverkehr selbst organisiert

Roter-Punkt-Aktion
Bei der Aktion 'Roter Punkt' protestierten die Bürger damals gegen höhere Fahrpreise.
picture alliance / Klaus Rose, Klaus Rose

Revival für Idee aus den 1960er-Jahren?

Bahnstreik, der Schienenverkehr steht – eine Ausnahmesituation, die kreativ macht und so eine Protestaktion der 60er Jahre wieder aufleben lassen könnte. Bei der Rote-Punkt-Aktion organisieren Bürger ihren Nahverkehr selbst.

Bereits zum achten Mal kündigt die Lokführergewerkschaft GDL im Streit mit der Deutschen Bahn Streiks an – diesmal für fast eine Woche am Stück. Ein Streik, der Bürger auf die Straße treibt – notgedrungen. Denn wie soll man sonst zur Arbeit, zu den Verwandten oder zum Flughafen kommen, wenn auf den Schienen des Nah- und Fernverkehrs nichts geht?

Die Lösung könnte über vierzig Jahre in der Vergangenheit zu finden sein. Denn eine ähnliche Situation beherrschte Deutschland vielerorts Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre. Doch damals sorgten die Kunden für derden Stillstand: Aus Protest gegen drastische Fahrpreiserhöhungen des öffentlichen Nahverkehrs legten Bürger Straßenbahnen und Busse lahm und kümmerten sich kurzerhand selbst um Ersatz.

Ein roter Punkt, der Menschen verbindet

Es war die Geburtsstunde der Rote-Punkt-Aktion: Freiwillige malten einen dicken, roten Punkt auf Papier, klebten ihn gut sichtbar an die Scheibe ihres Wagens und boten eine Mitfahrgelegenheit für Andere an – und zwar genau an der Stelle, wo sonst Bahnen hielten und die Massen abfertigten. Und es klappte!

Noch heute schwärmen Beteiligte wie Steffen Stahr von der Protestaktion: "Das war eine solidarische Aktion, die von der breiten Bevölkerung getragen wurde", sagte er gegenüber der ‚Süddeutschen Zeitung‘. Er erlebte die größte Rote-Punkt-Aktion 1969 in Hannover mit. Ähnliche Proteste gab es in Dortmund, Bremen oder Mannheim.

Auch wenn die Bahnen wieder stehen, den roten Punkt sieht man kaum noch. Nur der 'Auto Club Europa‘ etwa ließ die Aktion bei Streiks im vergangenen Jahr noch einmal aufleben. Die Idee von Fahrgemeinschaften ist allerdings aktueller denn je: Über den Hashtag #twitfahrzentrale zum Beispiel organisieren sich Bürger in den sozialen Medien und teilen ihr Auto mit Leidensgenossen. Warum nicht auch ein roter Punkt für den solidarischen Schienenersatzverkehr?