Rotation sei Dank: Mediator Heynckes nimmt Dampf raus

© Bongarts/Getty Images, Bongarts

13. Februar 2013 - 14:35 Uhr

Vom miesepetrigen Schleifer zum einfühlsamen Mediator: Jupp Heynckes beweist auf seine alten Tage als Trainer, dass er Fingerspitzengefühl hat. Nachdem in den letzten Wochen der ein oder andere Edelreservist aufgemuckt hatte, rotierte der Bayern-Coach gegen Schalke durch und stellte damit sicher, dass die leidigen Diskussionen um die Stammplätze vorerst ein Ende haben – wenn da nicht Mario Gomez wäre.

Als seine Bayern desolate Schalker gerade mit 4:0 aus dem Stadion geschickt hatten, schien die Welt allerdings noch in Ordnung. Arjen Robben, der am Mittwoch das mangelnde Vertrauen von Heynckes kritisiert hatte, stiefelte bestens gelaunt über den Rasen – aus gutem Grund: mit zwei Torvorlagen, hoher Laufbereitschaft und starken Zweikampfwerten bedankte sich der Holländer auf seine Art, erstmals seit dem 11. Spieltag wieder in der Startformation zu stehen.

"Das war wichtig für mich, um auch wieder in den Rhythmus zu kommen", sagte er. Alles sei "wunderbar". Das war es zuletzt keineswegs. Dass die Medien daraus aber gleich eine handfeste Krise gemacht hatten, konnte er nicht nachvollziehen. "Ich bin nicht schwierig. Ich will spielen, dann geht man eben mal schnell duschen", sagte er. Man sollte den Blick auf die Mannschaft "und nicht immer auf einen einzelnen Spieler richten".

Auch Gomez, zuletzt im November in der ersten Elf, hatte zunächst noch sichtlich Spaß. Ein Tor selbst erzielt, einen Treffer von David Alaba aufgelegt, dazu immer anspielbereit – der Angreifer ließ keine Zweifel aufkommen, dass er mehr als nur eine Alternative zu seinem Konkurrenten Mario Mandzukic ist.

Denn von einer guten Atmosphäre zu sprechen, wäre letzte Woche noch vermessen gewesen. Unbeeindruckt von der miesen Laune seiner Edelreservisten wie Robben, Gomez oder auch Jerome Boateng betonte Heynckes, in den nächsten Spielen nicht rotieren zu wollen. Dazu gebe es keinen Grund, schließlich spielte seine Mannschaft jeden Gegner auch so an die Wand und die englischen Wochen haben die Bayern erst noch vor der Brust. Warum gegen Schalke also die Rolle rückwärts?

Gomez fordert Bekenntnis vom Verein

Heynckes, früher bekannt als Disziplinfanatiker, der strikt nach dem Leistungsprinzip geht, hat erkannt, dass sich an der Säbener Straße langsam aber sicher Frust aufbaut. Hätte er Gomez und vor allem Robben weiter auf der Bank schmoren lassen, wer weiß, wann es zum Eklat gekommen wäre. Die beiden Nationalspieler wieder in die Startformation zu beordern, sollte die Wogen glätten, doch nach dem Spiel wurde noch einmal klar, dass nicht nur eitel Sonnenschein ist.

So forderte Gomez im Wechsel-Theater um Robert Lewandowski von Borussia Dortmund ein klares Bekenntnis von der Vereinsführung. "Irgendwann wird der Verein uns sagen, wie er plant. Ein Bekenntnis im Moment sieht anders aus für die Stürmer, die da sind", sagte der Stürmer, der "keine Angst vor niemandem" habe. Trotzdem würde er mehr Rückendeckung für Mandzukic, Claudio Pizarro und sich selbst erwarten: "Der Verein muss sich klar bekennen und uns sagen, was los ist."

Das ist allerdings nicht mehr Heynckes' Baustelle, denn durch die Verpflichtung von Pep Guardiola als neuen Bayern-Trainer hat der 67-Jährige keinen Einfluss mehr auf die Zusammenstellung des Kaders für die kommende Saison. Wenn es also wieder Zündstoff gibt, an Heynckes liegt es nicht, denn der altersweise 'Jupp' hat erkannt, wann die Spieler ihre Streicheleinheiten brauchen.