Rostocker Studie belegt geringeres Corona-Risiko bei Kindern

19. Juni 2020 - 16:12 Uhr

Kinder haben laut einer Studie der Universitätsmedizin Rostock ein geringeres Risiko an Covid-19 zu erkranken als Erwachsene. Die bereits seit längerem bestehende Vermutung sei nun in der Untersuchung bestätigt worden, teilte eine Sprecherin am Freitag mit. Die Forscher untersuchten demnach, ob Kinder bereits mit Sars-CoV2 infiziert waren, ohne dass es bemerkt wurde, und ob sie eine Infektionsgefahr für Eltern und Großeltern darstellten. "Bei Kindern verläuft die Erkrankung in der Regel ohne oder nur mit schwachen Symptomen", sagte der Abteilungsleiter für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten, Emil Reisinger.

Da Infektionen von Kindern meist mit Infektionen der Eltern einhergehen, untersuchten die Forscher 401 Rostocker Mütter von insgesamt 666 Kindern zwischen null und 17 Jahren. In keinem der Rachenabstriche konnte das Team Covid-19-Viren nachweisen. Auch beim Antikörpertest waren alle Mütter negativ. "Diese Ergebnisse zeigen, dass bisher keine der Teilnehmerinnen mit Covid-19 infiziert war", sagte Petra Emmerich, Leiterin des Hochsicherheitslabors am Hamburger Tropeninstitut. Sie hatte von einem Rostocker Patienten das Virus isoliert und Tests im Rostocker Labor gemacht.

Zu ähnlichen Schlüssen sind Reisinger zufolge bereits Studien aus China, England und den USA gekommen: "Kollegen in Shanghai und Wuhan fanden heraus, dass Kinder unter 15 Jahren nur etwa ein Drittel so empfänglich für den Erreger sind wie Erwachsene." Trotzdem hätten die Schul- und Kitaschließungen die Ausbreitung der Infektion deutlich verlangsamt.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden der Unimedizin zufolge im März und April 699 Corona-Infektionen gemeldet. Fünf der Erkrankten waren jünger als vier Jahre. Acht der Infizierten waren zwischen fünf und neun Jahren alt, zwölf Kinder zwischen zehn und 14 Jahren. "Das bedeutet, dass nur etwa 0,7 Prozent aller Covid-19-Infektionen im Land bei Kindern unter vier Jahren und nur rund 3,6 Prozent bei Kindern unter 14 Jahren nachgewiesen wurden", erläuterte Reisinger.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) nannte die Ergebnisse der Untersuchung "sehr erfreulich". Die Studie sei die wissenschaftliche Bestätigung für den Kurs der Landesregierung, die Schulen nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb zurückzuführen. Um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, waren im März deutschlandweit die Schulen geschlossen worden.

Quelle: DPA