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Rostock: Mann lässt toten Bruder einen Monat lang mit am Küchentisch sitzen

Rostock: Mann lässt toten Bruder einen Monat lang mit am Küchentisch sitzen

Polizei findet verweste Leiche in einer Wohnung in Rostock
Der Bruder rief erst die Polizei, als er den Leichengeruch nicht mehr aushielt. (Motivbild)
dpa, Franziska Kraufmann

Erst als er den Gestank nicht mehr aushielt, rief er die Polizei

In Rostock hat ein Mann wochenlang neben seinem toten Bruder gelebt. Er ließ die Leiche des 45-Jährigen auf einem Stuhl am Küchentisch sitzen, weil ihm der Abschied zu schwer fiel. Erst als er den Verwesungsgestank nicht mehr aushielt, rief er die Polizei.

Der 45-Jährige lebte weiter wie bisher

Wie die 'Schweriner Volkszeitung' berichtet, fanden die Beamten den Toten in der Wohnung der beiden Brüder im Rostocker Stadtteil Dierkow. Der Mann war offenbar bereits am 31. Oktober gestorben.

Der 49-jährige Bruder rief aber weder einen Notarzt, noch einen Bestatter oder die Polizei. Auch der Familie sagte er nichts vom Tod des 45-Jährigen. Stattdessen lebte er einfach weiter wie bisher. Sogar die „gemeinsamen“ Malzeiten nahm er am Küchentisch neben der Leiche ein. Zum Schluss rief er doch die Polizei, weil die Leiche anfing, immer schlimmer zu stinken. Hätte er den Verwesungsgeruch noch länger ausgehalten, hätte er den Toten vermutlich noch länger am Tisch sitzen lassen.

Dem Bruder fiel der Abschied schwer

Laut Polizei nahm der Mann so auf seine eigene Weise Abschied von dem jüngeren Bruder. Die beiden hatten 20 Jahre lang zusammen in der Wohnung gelebt. Den Tod des Bruders hatte er darum nur schwer verkraften können.

Die Kriminalpolizei stellte nun eine natürliche Todesursache fest. Der 45-Jährige war zuvor schwer krank gewesen. Trotzdem prüfen die Ermittler, ob jetzt Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge eingeleitet werden.