CDU soll grüner werden

Röttgen attackiert Merkel für ihre Klimapolitik

Norbert Röttgen zu seiner Kandidatur
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28. Februar 2020 - 11:29 Uhr

CDU habe Klimaschutz "zu stark vernachlässigt"

Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik ist Kanzlerin Angela Merkel mittlerweile gewohnt. Nun muss sie sich Vorwürfen aus einer ganz neuen Richtung stellen. Ausgerechnet der frühere Bundesumweltminister und neue CDU-Vorsitzkandidat Norbert Röttgen wirft Merkel vor, nicht grün genug zu sein. In einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" kritisierte Röttgen, die CDU habe den Klimaschutz lange Zeit "zu stark vernachlässigt".

Anstatt das Thema Greta Thunberg und der Fridays-for-Future-Bewegung zu überlassen, hätten die Christdemokraten den Kampf gegen den Klimawandel laut Röttgen selbst auf dem Zettel haben müssen. Das sei wichtig, um "in der Mitte wettbewerbsfähig sein".

Röttgen war Umweltminister unter Merkel

 Norbert Röttgen Deutschland/Erster Parlamentarischer Geschäftsführer CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag und Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutschland/CDU in Berlin
Norbert Röttgen war von 2009 bis 2012 Bundesumweltminister im Kabinett von Merkel. Schon damals galt er als Verfechter eines möglichen schwarz-grünen Bündnisses - und als Merkels Liebling.
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Röttgen war von 2009 bis 2012 Bundesumweltminister im Kabinett von Merkel. Schon damals galt er als Verfechter eines möglichen schwarz-grünen Bündnisses - und als Merkels Liebling. "Muttis Klügster" wurde er spöttisch genannt, doch seine gemeinsame Geschichte mit der Kanzlerin ist nicht unbelastet. 2012 stolperte Röttgen als CDU-Kandidat über die damalige Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Merkel entließ ihn schließlich als Minister. Doch als späte Rache an der Kanzlerin will der CDU-Mann seine Kritik auf keinen Fall verstanden wissen.

Er sehe genügend Gemeinsamkeiten mit Merkel, um als möglicher künftiger Parteichef mit ihr zusammenzuarbeiten, sagte er der Zeitung. Wie er selbst schätze auch Merkel die aktuelle Lage in Deutschland und Europa als ernst ein. "Aus dieser Ernsthaftigkeit der Lage folgt ein sich nicht unterscheidendes Bewusstsein von Pflicht und Verantwortung", sagte der CDU-Außenpolitiker. "Dem können wir nur gemeinsam gerecht werden, und das werden wir dann auch tun."

Röttgen: Stärkste Konkurrenz sind die Grünen

Neben Friedrich Merz und Armin Laschet konkurriert Röttgen derzeit um den Posten als Parteichef der CDU. Um die Partei zu modernisieren, setzt der 54-Jährige auf Kompetenz in Klimafragen. "Nur wenn wir klimapolitische Glaubwürdigkeit für die CDU zurückgewinnen, werden wir in der Mitte wettbewerbsfähig sein", so Röttgen. Stärkster Konkurrent im Werben um Wählerstimmen sind nach seiner Ansicht nicht AfD oder SPD, sondern die Grünen. Auch die CDU müsse"soziale, technologische und internationale Aspekte" in ihre Klimapolitik einbeziehen.

Röttgen stellt sich am 25. April auf einem CDU-Parteitag zur Wahl. Er hat angekündigt, sein Team als erstes mit einer Frau zu verstärken, sollte er tatsächlich zum neuen Parteivorsitzenden gewählt werden. Einen Namen hat er bisher aber noch nicht genannt.