"Sie sollten gefeuert werden"

Polizeigewalt gegen 9-Jährige: Das sagt die Mutter zum Pfefferspray-Skandal

04. Februar 2021 - 10:14 Uhr

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Eine Neunjährige schreit und schlägt um sich, ruft nach ihrem Papa, wird von Polizisten brutal in den Schnee gepresst, in Handschellen in einen Streifenwagen genötigt, mit Pfefferspray außer Gefecht gesetzt. Szenen, die von einer Polizei-Bodycam festgehalten wurden, durch die Medien gingen und große Empörung auslösten. Nun hat die Mutter des Mädchens in einem Interview über den Vorfall gesprochen.

Mutter beschreibt Streit und hartes Eingreifen der Polizei

In einem Interview mit "CNY Central" fordert Elba Pope Gerechtigkeit für ihre Tochter. Alles habe am 29. Januar mit einem Streit in Rochester (US-Bundesstaat New York) begonnen. "Wir waren draußen. Meine Tochter war oben in ihrem Zimmer und ich wusste nicht, dass sie uns Streiten hörte. Mir war nicht bewusst, dass sie deshalb verärgert war", so Pope. Als ihr Ehemann ihren Wagen nahm, habe sie schließlich die Polizei alarmiert. Sobald die eintraf, sei ihre Tochter aus dem Haus gekommen und wütend geworden. Pope habe noch versucht, ihr Kind wieder hinein zu bringen, doch die Polizisten hätten sich eingemischt und die Situation sei eskaliert.

"Er sagte mir, dass er mich festnehmen würde, wenn ich nicht zur Seite trete. Ich hätte nie gedacht, dass er meine Tochter in den Schnee schubsen, sie in Handschellen legen und mit Pfefferspray attackieren würde", beschreibt Pope. Sie habe die Einsatzkräfte mehrfach gebeten, eine psychologisch versierte Person hinzuzuziehen, um ihrer Tochter zu helfen – doch die Bitten seien ignoriert worden. Stattdessen reagierten die Polizisten mit Drohungen und Gewalt. Fatal, denn eine Person, die sich in einer psychischen Ausnahmesituation befindet, brauche vor allem eins: liebevolle Ansprache und Zuwendung, wie der Psychologe Rolf Schmiel im RTL-Gespräch erklärt.

Psychologe erklärt: Das macht Polizeigewalt mit Kindern

"Eine so intensive Gewalterfahrung durch Polizisten kann das Urvertrauen des Kindes in Autoritäten massiv erschüttern". erklärt Schmiel. "Das kann eine Traumatisierung des Kindes auslösen." Die Neunjährige sei höchstwahrscheinlich auch deshalb so massiv ausgetickt, weil sie emotional bereits destabilisiert war, die Eltern sicherlich nicht zum ersten Mal gestritten haben – und das offenbar sogar so heftig, dass die Polizei anrücken musste.

"Die Polizisten wussten nicht damit umzugehen und waren vollkommen überfordert", so Schmiel. Und sie machten alles falsch, was man in einer solchen Situation falsch machen könne: "Wir wissen aus anderen Situationen, wenn so etwas auftritt, dass ein liebevolles in den Arm nehmen und Halten tatsächlich zur Beruhigung führen kann." Die Polizisten jedoch hätten vermutlich aus einer Überforderung heraus mit Gegendruck und Aggression reagiert – und die Situation damit noch verschlimmert."

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Mutter der Neunjährigen: "Sie sollten gefeuert werden"

In dem Interview fordert sie, dass die verantwortlichen Officer zur Rechenschaft gezogen werden. Neun Polizisten waren an dem Einsatz beteiligt. Einer von ihnen wurde bereits suspendiert, zwei weitere beurlaubt. Doch das geht Pope nicht weit genug. "Sie sollten gefeuert werden. Unabhängig davon, was zuvor geschehen ist, gibt es keinen Grund, ein Kind mit Pfefferspray zu attackieren, das schon mit Handschellen in einem Polizeiauto festgehalten wird."

Ihre Anwälte behalten sich vor, die Stadt Rochester zu verklagen. Viele Menschen gingen am Abend des Vorfalls auf die Straße, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. In einer Pressekonferenz sagte Polizeichefin Cynthia Herriott-Sullivan, das Verhalten der Beamten sei inakzeptabel. "Ich werde hier nicht stehen und sagen, dass es ok ist, eine Neunjährige mit Pfefferspray zu besprühen. Das ist es nicht", erklärte sie und kündigte eine interne Aufarbeitung des Falles an.

Senatorin Samra Brouk legte nach eigenen Angaben einen Gesetzesentwurf vor, der es Polizisten in Zukunft verbieten soll, in Zukunft "Tränengas, Pfefferspray und andere chemische Reizstoffe" gegen Kinder einzusetzen.

Kein Einzelfall: Polizeigewalt gegen BIPoc in den USA trauriger Alltag

Überschießende Polizeibrutalität ist trauriger Alltag in den USA – vor allem gegen schwarze Menschen. Tamir Rice (†12), George Floyd (†46), Breonna Taylor (†26) sind nur einige, die durch die Hand von Polizeibeamten starben. Unschuldig. Keiner der involvierten Officer wurde bislang rechtskräftig verurteilt. Tausende Menschen gingen auf die Straße und begründeten damit die Bewegung "Black Lives Matter", die gegen Gewalt gegen People of Color demonstriert.