RKI-Chef Wieler appelliert an die Bevölkerung

Immer mehr Corona-Infektionen abseits von "Hotspots"

Der Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, nach einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland neben einer Büste des Mediziners, Mikrobiologen und Hygienikers Robert Koch. Foto: Tobias Schwarz/AFP/Pool/dpa
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29. Juli 2020 - 7:56 Uhr

Deutlicher Anstieg der Corona-Infektionen: Beginnt jetzt die zweite Welle?

Ist das der Beginn einer zweiten Welle? Die zunehmende Zahl an neuen Corona-Fällen lässt das Robert Koch-Institut (RKI) eine Trendumkehr in Deutschland befürchten. In den vergangenen sieben Tagen seien 3611 Infektionen gemeldet worden, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler in Berlin. Bis vor einiger Zeit habe man es geschafft, die Fallzahlen stabil bei täglich neu gemeldeten 300 bis 500 Fällen zu halten, führte der RKI-Chef aus. Inzwischen sehe es anders aus: Am Freitag etwa kamen 815 Fälle hinzu, am Samstag mehr als 700 und am Dienstag mehr als 600. Die neueste Entwicklung bereite "große Sorgen".

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RKI warnt: Hier kommt es zu den meisten Corona-Ansteckungen

Als Ursache für den Anstieg nannte Wieler Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Im Unterschied zu den vergangenen Wochen mit einzelnen großen Ausbrüchen wie beim Schlachtbetrieb Tönnies sei die Lage derzeit diffus, schilderte RKI-Expertin Ute Rexroth, Leiterin des Fachgebiets Surveillance. "Es sind wirklich leider viele betroffen." Beobachtet würden Fallzahlenanstiege in unterschiedlichen Kommunen und Gemeinden. Deutschlandweit steckten sich wieder mehr Menschen an. Zu Übertragungen komme es "wirklich überall": bei Familienfeiern, Treffen mit Freunden, am Arbeitsplatz, in Gemeinschaftsunterkünften, Altenheimen und Einrichtungen des Gesundheitswesens, wo schwere Verläufe zu erwarten seien. Auch wenn Fälle von Reiserückkehrern verzeichnet werden: Der größte Teil der Betroffenen habe sich in Deutschland angesteckt, sagte Rexroth.

Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen, so RKI-Chef Wieler, aber es könne sein.

RKI appelliert an die Bevölkerung: So können Sie Ansteckungen vermeiden

Das RKI hält Vorbeugung für nötig, damit sich das Virus nicht wieder rasant und unkontrolliert ausbreitet und die Gesundheitsämter Ausbrüchen nicht hinterherlaufen müssen. "Das schaffen wir nur gemeinsam", sagte Wieler. Die weitere Entwicklung liege "in unserer Hand". Er appellierte an die Bundesbürger, die sogenannten Aha-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) einzuhalten. Diese Regeln gelten auch im Freien und auch im Urlaub, wie Wieler betonte. Masken müssten richtig getragen werden, also über Mund und Nase.

Es werde problematisch, wenn man dem Virus die Chance zur Ausbreitung gebe: Zu Tausenden wilde Partys zu feiern, sei "rücksichtlos" und auch "fahrlässig", sagte Wieler. Junge Menschen könnten ihre Eltern und Großeltern infizieren, warnte er. Damit spielte der RKI-Präsident offenkundig auf Vorkommnisse wie die illegalen Partys von jungen Leuten in dem Park Hasenheide in Berlin-Neukölln an, die von der Polizei am Wochenende aufgelöst worden waren.

Quelle: DPA/RTL

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