Anzeichen für eine Trendwende

RKI warnt: Es wird wieder mehr Corona-Tote geben

Laut dem RKI könnten die Zahlen der schweren Verläufe mit Todesfolge wieder steigen.
© iStockphoto, (Symbolbild)

24. September 2020 - 12:18 Uhr

Die Gefahr ist laut RKI noch längst nicht vorbei

Bei den Neuinfektionen geht der Trend in Deutschland seit Wochen nach oben. Gleichzeitig bleiben die Intensivstationen vergleichsweise leer. Auch bei den Covid-Todesfällen kommen die Deutschen bislang vergleichsweise glimpflich davon. Kein Grund zur Sorge also? Das RKI sagt: Nein.

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Steigende Neuinfektionen in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut warnt in seinem aktuellen Lagebericht vor einer Verharmlosung der Pandemie-Lage und sieht Anzeichen für eine Trendwende. Denn auch wenn die Situation derzeit insgesamt gut aussieht, stecken sich wieder mehr ältere Menschen mit dem Coronavirus an, das, wie das RKI betont, nicht weniger gefährlich geworden ist.

Bereits seit mehreren Wochen verzeichnen die Gesundheitsämter in Deutschland eine steigende Masse an Neuinfektionen. Dieser Anstieg für sich genommen wäre noch nicht dramatisch. Denn, so schreibt das RKI, schließlich seien auch die Testkapazitäten deutlich ausgeweitet worden. So würden jetzt zunehmend nicht nur Menschen getestet, die entweder durch die Schwere der Symptomatik auffielen oder im Umfeld eines schwer verlaufenden Falls dem Virus ausgesetzt waren, sondern auch breitere Bevölkerungsschichten. Damit seien mehr Infizierte und Erkrankte identifiziert worden. Zudem wurden dadurch verstärkt mildere Krankheitsverläufe oder auch symptomlose Corona-Infektionen entdeckt. Diese wären zu Beginn der Pandemie im April oder Mai mangels Tests wohl unerkannt geblieben.

Durchschnittsalter bei entdeckten Infektionen gesunken

Zudem ist das durchschnittliche Alter der entdeckten Infektionen seit der ersten Hochphase im April deutlich gesunken. Jüngere Menschen - das ist bekannt und mittlerweile auch gut belegt - haben ein durchschnittlich geringeres Risiko als ältere Menschen, nach einer Sars-CoV-2-Infektion einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln und zu versterben.

Beide Punkte führen laut RKI zu dem aktuellen Befund: "Der Anteil der Verstorbenen unter den seit der 30. Kalenderwoche gemeldeten Covid-19-Fällen liegt kontinuierlich unter 1 Prozent. Damit hat er im Vergleich zum Höchststand von 7 Prozent in der 16. Kalenderwoche 2020 deutlich abgenommen." Das RKI vergleicht damit die Woche nach Ostern (KW 16) mit der Phase vom 20- bis 26. Juli (KW 30).

Wir müssen unsere alten Bürgerinnen und Bürger schützen

Auch der Anteil der Covid-19-Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden oder gar beatmet werden müssen, ist konstant niedrig.

Anlass zur Entwarnung sehen die Virologen und Epidemiologen aber nicht. Es gebe keine "Hinweise für eine Veränderung des Virus", also eine abnehmende Ansteckungsfähigkeit oder eine verringerte Schädlichkeit, betont das Team um Institutsleiter Lothar Wieler. Zudem seien die therapeutischen Möglichkeiten bei einem schweren Krankheitsverlauf weiterhin "begrenzt".

Anteil an über 60-jährigen Infizierten steigt wieder

Sorge macht dem RKI damit vor allem das drohende Szenario einer stärkeren Ausbreitung des Coronavirus in die höheren Altersgruppen. Und genau dafür gibt es erste Anzeichen. Denn seit der Kalenderwoche 37, also ab dem 7. September, ist den amtlichen Daten zufolge ein Anstieg des Fallaufkommens in der Altersgruppe der über 60-Jährigen zu erkennen. Das ist eine alarmierende Entwicklung.

Denn zu Beginn der Pandemie in Deutschland wiesen die Altersgruppen der 15- bis 34-Jährigen und 35- bis 59-Jährigen als Erstes erhöhte Inzidenzen auf, kurz darauf gefolgt von der Gruppe der über 80-Jährigen, wie das RKI erklärt. Nach dem Absinken der Inzidenzen für alle Altersgruppen, sah man mit dem erneuten Anstieg der Fallzahlen ab Mitte Juli die höchste Inzidenz in der Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen, gefolgt von der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen und der 35-59-Jährigen. Seit 14 Tagen nun steigt der Anteil der über 60-Jährigen an den Infizierten wenn auch nur leicht, so doch signifikant an.

Abstands- und Hygieneregeln bleiben weiterhin wichtig

"Wenn sich wieder vermehrt ältere Menschen anstecken, werden wieder mehr schwere Fälle und Todesfälle auftreten", prognostiziert das RKI. Deutschland könne weiterhin schwere Erkrankungen und Todesfälle nur vermeiden, indem das Land die Ausbreitung von Sars-CoV-2 verringere. "Daher ist es weiterhin notwendig", heißt es, "dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert". In der Praxis sollten zum Beispiel die Abstands- und Hygieneregeln "konsequent - auch im Freien" eingehalten werden. Innenräume sollten häufig gelüftet und, wo geboten, eine Mund-Nasen-Bedeckung "korrekt" getragen werden. "Menschenansammlungen - besonders in Innenräumen - sollten möglichst gemieden und Feiern auf den engsten Familien- und Freundeskreis beschränkt bleiben."

Wie wir möglichst Corona-sicher durch den Herbst kommen, können Sie hier nachlesen.

Situation in Hamm und Würzburg als Negativ-Beispiel

Als eindrückliches Negativ-Beispiel führt der RKI-Lagebericht die Situation in Hamm und Würzburg auf. So seien die gestiegenen Fallzahlen in Hamm zu einem großen Teil auf mehr als 80 Covid-19-Fälle zurückzuführen, die im Zusammenhang mit einer Hochzeitsfeier stünden. Über 200 identifizierte Gäste seien zurzeit in Quarantäne und verpflichtend getestet worden. Die erhöhten Corona-Infektionen in Würzburg wiederum ließen sich auf eine Covid-19-Verbreitung nach einem Ausbruch in einer Shisha-Bar sowie weiteren Fällen im privaten Umfeld der Bar-Besucher zurückführen.

Quelle: n-tv