Dr. Georg-Christian Zinn ordnet ein

RKI vermeldet höchste Corona-Zahlen seit Mai: Was bedeutet das für uns?

Derzeit zieht es viele in großen Gruppen ins Freie. Die Ansteckungsgefahr erhöht sich wieder.
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12. August 2020 - 17:22 Uhr

1226 neue Corona-Fälle

Im Urlaub lassen offenbar viele bei der Corona-Disziplin ein wenig nach. 1226 neue Fälle wurden dem Robert Koch-Institut innerhalb eines Tages gemeldet. Das ist der höchste Wert seit Mai. Besonders hoch ist die Zahl der Neuinfizierten in Nordrhein-Westfalen. Jetzt wurde bekannt: Jeder vierte in NRW ist ein Reiserückkehrer. Das teilte das NRW-Gesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

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"Wahrscheinlich keine bundesweiten Maßnahmen mehr"

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Danach sank die Zahl, so gab es am 9. Mai nur noch 1251 registrierte Neuinfektionen.  Den niedrigsten Wert gab es am 13. Juli mit nur 159 Neuansteckungen pro Tag. Seitdem aber steigen die Corona-Infektionen wieder an und erreichen den höchsten Wert seit Mai. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden 413 Neuinfektionen registriert. Bayern meldet 213 neue Fälle, Berlin 111. Die anderen Bundesländer weisen jeweils weniger als 100 neue Fälle auf.

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, ist besorgt, das der Weg wieder in eine falsche Richtung geht. Einen bundesweiten Lockdown als Folge der vielen Neuansteckungen schließt er aber weitestgehend aus. "Wir werden weiter verschärfte Hygienemaßnahmen haben, aber, das ist vielleicht eine gute Nachricht, wir machen das lokal. Dass die verschärften Maßnahmen bundesweit greifen, wird wahrscheinlich nicht mehr passieren."

Teilschließungen wieder möglich

Verschärfte Maßnahmen könnten dann z.B. wieder Teilschließungen von Fitnessstudios oder Restaurants sein. Unter Umständen kann es auch eine Teil-Maskenpflicht geben bis hin zur Empfehlung für Bürger innerhalb eines Landkreises zu Hause zu bleiben oder auch nicht zu verreisen.

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, rät dazu gerade bei Feiern besonders aufzupassen. "Das fängt schon an mit ner kleinen Familienfeier, das kann ne Bottle-Party von Studenten am Baggersee sein oder auch größere Feiern im Rahmen von Biergärten. Also da müssen wir wirklich aufpassen, das die Sache nicht aus dem Ruder läuft. Momentan können wir die Infizierten noch nachverfolgen, aber wenn die Zahlen weiter steigen, dann kommt es auch zu einer Überlastung des Gesundheitswesens." Das allgemeine Gefühl, dass die Menschen Corona nicht mehr Ernst nehmen, teilt auch Dr. Zinn. "Wir müssen immer wieder daran erinnern. Das Virus nutzt jede Nachlässigkeit aus und das sehen wir. Die Freiheiten, die wir wieder zurückbekommen haben, können wir zum Teil wieder verlieren. Daher die Bitte an Alle: Das Erlernte darf nicht vergessen werden, wie Abstände einhalten, Masken tragen in öffentlichen Bereichen und die Händehygiene."