RKI-Bericht zu Krankheitswelle: Größte Magen-Darm-Epidemie ihrer Art

01. Oktober 2012 - 20:54 Uhr

Mehr als 9.400 Menschen betroffen – Ursache bleibt unklar

Die Brechdurchfall-Welle bei Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland ist die größte je durch Lebensmittel ausgelöste Krankheitswelle in Deutschland – das zeigen neue Zahlen im aktuellen Lagebericht des Robert-Koch-Instituts. Demnach seien mehr als 9.400 Menschen in Ostdeutschland betroffen, größtenteils Kinder und Jugendliche. Erste Fälle sollen schon am 19. September aufgetreten sein, Wochen vor der offiziellen Bekanntgabe der Erkrankungen. 23 Erkrankte werden derzeit im Krankenhaus behandelt. Laut RKI gibt es Hinweise, dass sich auch Eltern angesteckt haben.

Darstellung eines Noro-Virus
Die Ursache der Magen-Darm-Epidemie ist weiterhin unklar. Der hochansteckende Noro-Virus konnte in einigen Fällen als Erreger nachgewiesen werden.
© dpa, Robert-Koch-Insti

Weiterhin ist die Ursache der Magen-Darm-Epidemie ungeklärt. Der RKI-Bericht lieferte entgegen der Erwartungen keine neuen Erkenntnisse. Als mögliche Erreger werden bis jetzt der hochansteckende Noro-Virus oder Toxine von toxinbildenden Bakterien (z.B.: Staphylococcus aureus, Bacillus cereus, Clostridium perfringens) vermutet. Eine Überlagerung von zwei Geschehen sei nicht auszuschließen, so der Lagebericht. Human- und Lebensmittelproben würden weiter untersucht, die Laboranalysen seien teilweise sehr aufwendig und würden bis zu vier Tage dauern. Der Verlauf der meisten Erkrankungen sei kurz und unkompliziert, so das RKI. Es besteht kein Hinweis auf eine nennenswerte Anzahl von Sekundärinfektionen. Deshalb gehen die Behörden davon aus, dass die Erkrankungen zumeist nicht ansteckend sind.

In Sachsen ist das hochansteckende Norovirus inzwischen in 69 Fällen als Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen nachgewiesen worden. Es führt zu Durchfall und Erbrechen und geht oft mit Schmerzen, Übelkeit und Fieber einher.

Virenherd Schulkantine

Sicher ist offenbar, dass sich die Erreger über den Caterer 'Sodexo' im hessischen Rüsselsheim verbreitet hat, der die betroffenen Schulen beliefert. Das RKI teilte mit, in Berlin, Brandenburg und Thüringen seien nach Angabe der Länder fast alle betroffenen Einrichtungen vom selben Lieferanten mit Essen versorgt worden. Insgesamt seien 369 Einrichtungen in fünf Bundesländern betroffen. In Berlin und Thüringen haben Schulen und Kindergärten auf Essen von 'Sodexo' verzichtet. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung will mit der Firma verhandeln, ob die Essens-Lieferungen in den kommenden Tagen wieder aufgenommen werden. In Thüringen untersagte eine Amtsärztin dem Anbieter bis auf weiteres, in einer Suhler Großküche Essen für Kinder zu kochen.

Ansonsten werde aber überall wieder Kantinenessen produziert und geliefert, sagte 'Sodexo'-Sprecher Stephan Dürholt: "An unseren Produktionsprozessen und hygienischen Arbeitsweisen liegt es nicht. Da ist überhaupt nichts beanstandet worden - und wir sind sehr, sehr intensiv untersucht worden". Wenn die Erkrankungswelle tatsächlich mit den Essenslieferungen im Zusammenhang stehe, sei davon auszugehen, dass es an einem zugelieferten Produkt liege.

Task-Force-Experten aus Bund und Ländern, gehen derzeit davon aus, dass ein kontaminiertes Lebensmittel oder eine Charge einer Lieferung den Ausbruch verursacht habe.