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Ringen um Lösung mit Griechenland: "Rote Linien liegen noch sehr weit auseinander"

Ringen um Lösung mit Griechenland: "Rote Linien liegen noch sehr weit auseinander"

RTL-Chefkorrespondent Lothar Keller berichtet aus Brüssel

Kurz vor dem EU-Gipfel versuchen die Europäer mit allen Mitteln, die gefährliche Griechenland-Krise zu entschärfen. Die Euro-Finanzminister kamen zu einem neuen Sondertreffen zusammen, um den Streit um neue Milliardenhilfen für das Krisenland beizulegen. Beratungen der Ressortchefs waren zuvor ohne Ergebnis zu Ende gegangen. "Die Geldgeber haben den Griechen ihre Vorschläge zurückgegeben, so wie eine mangelhafte Klassenarbeit voller roter Korrekturen und Ergänzungen", berichtet RTL-Chefkorrespondent Lothar Keller aus Brüssel.

Ringen um Lösung mit Griechenland
Die Zeit für Griechenland läuft ab.

"Vor allem beim Thema Rentenreform wollen die Geldgeber von den Griechen deutliche Nachbesserungen", so Keller weiter. "Doch gerade die Rente ist eines der sensibelsten Themen für die Regierung Tsipras. Auch daran dürften die Gespräche gestern erst einmal gescheitert sein."

Gespräche über Griechenland-Rettung gehen ins Wochenende

Trotz fieberhafter Verhandlungen vor dem EU-Gipfel konnten die Europäer die Griechenland-Krise nicht entschärfen. Die Regierung in Athen und ihre Geldgeber einigten sich zunächst nicht auf einen gemeinsamen Spar- und Reformplan. Den Euro-Finanzministern wurden zwei konkurrierende Vorschläge der griechischen Regierung und der Gläubiger vorgelegt. Die Ressortchefs würden entscheiden, welches Papier die Grundlage für Gespräche sein solle, erklärten Diplomaten in Brüssel kurz vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der Union. Auch ein anschließender Gipfel der Euro-Länder wurde nicht ausgeschlossen.

Die griechische Regierung habe sich bisher "nicht bewegt, eher rückwärts bewegt, und deswegen bin ich auch für unsere Sitzung heute nicht sehr zuversichtlich", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor neuen Beratungen der Ressortchefs. Ähnlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in Belgien. "An manchen Stellen hat man den Eindruck, dass wir sogar ein bisschen zurückfallen", erklärte die CDU-Vorsitzende. Wichtig bleibe, dass Griechenland weiter mit den Geldgebern an einer Lösung der Schuldenkrise arbeite. Entscheiden müssten am Ende die Finanzminister der Eurozone. "Der Europäische Rat wird sich nicht in diese Verhandlungen einmischen", betonte sie. Die Gespräche werden sich bis ins Wochenende hinziehen. Die Euro-Finanzminister wollten sich nach ergebnislosen Verhandlungen am Samstag wieder treffen, sagten Diplomaten in Brüssel.

Ohne eine Abmachung können 7,2 Milliarden Euro blockierte Hilfen nicht fließen. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, sagt die Kanzlerin schon seit Wochen", so Lothar Keller. "Doch beide Seiten haben rote Linien gezogen, die noch sehr weit auseinander liegen."