Riesenschritt Richtung WM-Titel: Nico Rosberg krönt sich in Suzuka zum Formel-1-Kaiser von Japan

11. Oktober 2016 - 13:50 Uhr

Nico Rosberg hat den Großen Preis von Japan gewonnen und einen Riesenschritt auf dem Weg zu seinem ersten Formel-1-Titel gemacht. Der Mercedes-Pilot war auf dem Suzuka International Racing Course zu jeder Zeit Herr des Geschehens, brauste von der Pole Position souverän zu seinem 9. Saisonsieg und baute seinen Vorsprung in der WM-Wertung vor Silber-Erzrivale Lewis Hamilton auf 33 Punkte aus.

Der Weltmeister, der nach einem Albtraumstart von Rang 2 auf 8 zurückgefallen war, biss sich am Rennende an Red-Bull-Mann Max Verstappen die Zähne aus und landete auf Rang 3. Weil Mercedes ein Abwehrmanöver des Holländers in der vorletzten Runde als regelwirdrig empfand, legte das Team Protest ein und forderte die Stewards auf, die Szene zu untersuchen. Da sowohl Hamilton als auch Rosberg die Piste in Suzuka bereits verlassen hatten und keine Aussage machen konnten, vertagten die Kommissare ihre Entscheidung bis zum nächsten Rennen in den USA, das in zwei Wochen stattfindet.

Durch die Plätze 1 und 3 tüteten die Silberpfeile ihren dritten Konstrukteurstitel in Serie vorzeitig ein. In Sachen Fahrer-WM hat Rosberg jetzt alle Trümpfe in der Hand, Hamilton dagegen kann seinen Titel nicht mehr aus eigener Kraft verteidigen. Selbst wenn der Engländer alle vier noch ausstehenden Rennen gewinnt, reicht Rosberg je ein 2. Platz zum Titel. "Mit Lewis als Gegner kann alles passieren. Ich denke nur von Rennen zu Rennen", wollte sich der Deutsche aber gar nicht erst auf irgendwelche Rechenspielchen einlassen.

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, wegen einer Strafe nur von Platz 6 gestartet, zeigte ein vorzügliches Rennen, lag lange auf Podestkurs, fiel dann aber einer desaströsen Strategie der Scuderia zum Opfer und raste völlig gefrustet als Vierter über den Zielstrich. "Unsere Strategie ist leider nicht aufgegangen. Ich war zu diesem Zeitpunkt voll einverstanden damit. Dass es am Ende nicht reicht, und der Abstand nach vorne so groß ist, war dann überraschend", nahm der viermalige Weltmeister sein Team in Schutz.

Eine astreine Vorstellung lieferte Nico Hülkenberg ab. Der Force-India-Pilot belegte hinter Stallkollege Sergio Perez den 8. Platz und hamsterte fleißig WM-Punkte. Pascal Wehrlein zog im Duell der Manor-Rookies gegen Esteban Ocon den Kürzeren und wurde Letzter.

Die Höhepunkte des Rennens im Zeitraffer

Start: Rosberg verteidigt die Spitze souverän, Hamilton erwischt von der feuchten Seite einen totalen Gurkenstart. Reihenweise flitzen die Konkurrenten am Weltmeister vorbei, der nur als Achter auf Start/Ziel zurückkehrt. Vettel rollt dagegen wie von einer Leine gezogen los und rauscht nach vorne. Am Ende der Runde krallt sich der Ferrari-Pilot Ricciardo und ist schon Vierter.

Runde 3: Vettel zieht auf der Geraden an Perez vorbei und macht sich auf die Jagd nach dem Zweitplatzierten Verstappen. Hamilton entschudligt sich am Funk für sein Start-Desaster.

Runde 6-7: Räikkönen und Hamilton fliegen an Hülkenberg vorbei, der Finne ist Sechster, der Mercedes-Pilot verbessert sich auf Position 7.

Runde 11-14: Die erste Boxenstopp-Phase - Verstappen eröffnet den Reigen, Rosberg und Vettel ziehen nach. Bei Räikkönen gibt es ein Problem, der 'Iceman' verliert wertvolle Sekunden. Als Letzter biegt Hamilton in die Garage. Die Spitzengruppe setzt allesamt auf harte Pneus. Die Reihenfolge nach den Stopps: Rosberg, Verstappen, Vettel, die Williams von Valtteri Bottas und Felipe Massa, Ricciardo, Hamilton, Räikkönen.

Runde 15-16: Hamilton schnappt sich erst Ricciardo, fliegt dann mühelos an beiden Williams vorbei - die noch nicht gestoppt haben - und ist schon wieder Vierter.

Runde 21: Tolles Manöver von Hülkenberg. Der Force-India-Mann bremst sich in der letzten Schikane außen an Bottas vorbei. Hart, kompromisslos, gut.

Runde 27: Räikkönen holt sich frische Walzen, wagt einen 'Undercut' gegen Ricciardo, der später aufgehen soll.

Runde 29-30: Verstappen und Rosberg kommen zum Stopp, Vettel dagegen bleibt draußen. Ein Kniff, den niemand so recht versteht, da der Ferrarista auf seinen alten Schlappen im Vergleich zur frisch bereiften Konkurrenz viel Zeit einbüßt.

Runde 31: "Das geht nicht, das ist lächerlich!" - Vettel flucht am Funk über Wehrlein, der ihn angeblich aufhält. Wie ein echter Italiener fuchtelt er mit der rechten Hand Richtung Wehrlein.

Runde 34: Hamilton kommt zum zweiten und letzten Garagenservice. Warum aber holt Ferrari Vettel nicht rein? Der Deutsche verliert auf seinen schlapp machenden Pneus Runde um Runde wertvolle Sekunden.

Runde 35: Endlich stoppt auch Vettel. Er bekommt die schnelle Soft-Mischung aufgezogen, soll damit Jagd auf Hamilton machen, der von Ferraris rätselhafter Strategie profitiert hat und auf Position 3 durchgeschlüpft ist. Der Plan geht nicht auf: Vettel kann den Briten nicht in Bedrängnis bringen.

Runde 45: Hamilton macht gewaltig Boden auf Verstappen gut, ist im DRS-Fenster.

Runde 52: Der Weltmeister will es wissen und greift Verstappen vor der letzten Schikane an. Der 19-jährige Holländer knallt ihm kompromisslos die Tür zu, verteidigt seinen 2. Platz.

Ziel: Rosberg fährt zu seinem ersten Japan-Triumph und kann langsam, aber sicher vom WM-Titel träumen. Verstappen wird Zweiter vor Hamilton. Es folgen die Ferrari von Vettel und Räikkönen. Malaysia-Triumphator Ricciardo wird Sechster. Dahinter gewinnen die Force-India-Piloten Perez (8.) und Hülkenberg (9.) im Kampf um Platz 4 in der Konstrukteurswertung wichtige Punkte gegen die Williams-Piloten Massa und Bottas, die die Top 10 komplettieren.