2019 M03 14 - 13:49 Uhr

„Foto in ihrer Akte scheint das zu bestätigen“

Freispruch für Vergewaltiger, weil das Opfer zu "männlich" aussieht, dem Täter angeblich nicht attraktiv genug sein konnte? Dies ist kein Phantasieprodukt, sondern in Italien passiert. Wer fällt ein solches Urteil? Ausgerechnet Richterinnen. Das Bekanntwerden des Falls löste große Empörung aus, in Ancona gingen jetzt Menschen auf die Straße und protestierten. Das letzte Wort in der Sache ist noch nicht gesprochen, es wird einen Berufungsprozess geben. Die Empörung dürfte bis dahin anhalten.

„Raffinierte Peruanerin“ könnte „ausgelassenen Abend“ selbst organisiert haben

Die Tat liegt einige Jahre zurück: Eine 22-jährige Peruanerin erstattet 2015 Anzeige. Die angeklagten Männer sollen ihr Drogen mit einem Drink untergejubelt haben. Anschließend wird sie von einem vergewaltigt, sein Komplize steht Schmiere. Die beiden, ebenfalls aus Peru, werden 2016 zu Haftstrafen verurteilt. Im Blut der Frau waren Betäubungsmittel, zudem hatte sie Verletzungen, die typisch für Vergewaltigungen sind.

Ein Jahr darauf wird das Urteil aufgehoben. Die drei Richterinnen begründen das unter anderem so: Die Frau sei nicht attraktiv genug gewesen, ihre Darstellung nicht glaubwürdig. Es sei nicht auszuschließen, dass die "raffinierte Peruanerin" den "ausgelassenen Abend" selbst organisiert habe, zitiert die italienische Nachrichtenagentur Ansa aus dem Urteil. Dem Mann habe die Frau gar nicht gefallen.

Dass er sie in seinem Handy unter dem Namen "Nina Vikingo" (Wikinger) abgespeichert habe, spiele auf ihre "nicht weibliche, sondern eher männliche Figur" an. Weiter heißt es: "Das Foto in ihrer Akte scheint das zu bestätigen."

Fall wird neu verhandelt - Termin steht noch nicht fest

Gemeinsam mit Frauenrechtsgruppen organisierte die Gewerkschaft CISL am Montag eine Demonstration vor dem Berufungsgericht in Ancona. Eine Sprecherin nannte das Urteil "empörend". Gewalt sei "unabhängig vom Aussehen". Sie kritisierten, dass Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt werden, häufig später als Täter dargestellt würden. 

Die Details des Falls kamen jetzt erst ans Licht, weil das Kassationsgericht in Rom als oberstes Gericht letzte Woche angeordnet hatte, dass der Fall in Perugia erneut verhandelt werden soll. Der Termin für den neuen Prozess steht noch nicht fest. Das Opfer des Verbrechens lebe mittlerweile wieder in Peru, sagte ihre Anwältin.