Islamist muss zehneinhalb Jahre in Haft

Richter bei Urteilsbegründung: Abu Walaa galt als „führende Autorität mit hoher Strahlkraft"

IS-Terrorprozess in Celle.
IS-Terrorprozess in Celle.
© dpa, Julian Stratenschulte, jst sab

24. Februar 2021 - 14:42 Uhr

Abu Walaa soll zentrale Führungsfigur der Terrormiliz IS in Deutschland gewesen sein

Polizisten mit Maschinenpistolen bewachen den Eingang und patrouillieren rund um das Gebäude. Hier, am Oberlandesgericht Celle, verkündet der Richter das Urteil gegen Abu Walaa, den mutmaßlichen Deutschland-Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS): Der 37-Jährige muss zehneinhalb Jahre in Haft. Das Gericht erklärte ihn wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrororganisation für schuldig. Drei Mitangeklagte erhielten Haftstrafen zwischen gut vier und acht Jahren. Abu Walaa galt als "führende Autorität mit hoher Strahlkraft", sagte der Richter unter anderem in seiner Urteilsbegründung.

Er habe bei der Vermittlung von Kontakten geholfen

Von Abu Walaa sei in seiner Zeit als Prediger in einer Moschee in Hildesheim für junge Islamisten eine große Anziehungskraft ausgegangen. Der Iraker sei zudem mit Videoauftritten zu Themen des Islam aktiv gewesen. Er habe Menschen animiert, für den IS tätig zu werden und bei der Vermittlung von Kontakten geholfen.

Der Mitangeklagte Boban S. sei eine zentrale Person der dschihadistischen Szene in NRW gewesen, habe in Dortmund Vorträge für junge Sympathisanten gehalten. Abu Walaa sei dort auch aufgetreten. Ein weiterer Angeklagter, Mahmoud O., habe unter anderem Tipps für die Ausreise gegeben. Der vierte Angeklagte, Hasan C., sei ebenfalls Befürworter des IS und in Duisburg aktiv gewesen. C. soll sich für nicht Ausreisewillige dafür ausgesprochen haben, "Anschläge in Deutschland zu verüben".

„Ich möchte nichts sagen“

24.02.2021, Niedersachsen, Celle: Polizisten bringen Prozessbeteiligte in das Oberlandesgericht in Celle. Im Prozess gegen den  mutmaßlichen Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland und weitere Angeklagte wird das Urteil erwarte
IS-Terrorprozess in Celle
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Vor der Urteilsverkündung hatten die Angeklagten nochmal die Möglichkeit des letzten Wortes. "Ich möchte nichts sagen", machte Abu Walaa klar. Der Richter sprach in dem seit 2017 andauernden Prozess von einem "erheblichen Personalaufwand" und einem besonderen Einsatz der Ordnungskräfte.

Die Angeklagten standen seit September 2017 vor Gericht

Abu Walaa und den drei Mitangeklagten im Alter von 32 bis 55 Jahren wurde vorgeworfen, junge Menschen vor allem im Ruhrgebiet und in Niedersachsen islamistisch radikalisiert und in Kampfgebiete der IS geschickt zu haben. Zwei der Rekrutierten sollen im Irak Selbstmordattentate mit zahlreichen Todesopfern verübt haben. Ein weiterer soll im Sicherheitsapparat des IS tätig gewesen sein.

Die Angeklagten standen seit September 2017 vor Gericht. Abu Walaa war Imam der Moschee des inzwischen verbotenen Vereins "Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim". Seine Wohnung in Dortmund soll ein mitangeklagter Deutsch-Serbe als Gebetszentrum genutzt und dort auch zeitweise den Islamisten Anis Amri beherbergt haben. Amri verübte 2016 einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin mit insgesamt zwölf Todesopfern.