25. Oktober 2016 - 14:41 Uhr

"Wir wollen das Urteil überprüfen lassen"

"Die Strafen mögen der Öffentlichkeit milde erscheinen", hatte der Vorsitzende Richter Georg Halbach bei der Urteilsverkündigung gesagt, und damit schon einiges vorweggenommen, was nach der Verkündung an Reaktionen kam. Eine 14-Jährige war Anfang des Jahres in Hamburg von vier jungen Männern vergewaltigt und anschließend leicht bekleidet in der Kälte zurückgelassen worden. Eine 15-Jährige hatte die Tat gefilmt und Regie-Anweisungen gegeben. Die vier jugendlichen Angeklagten hatten Bewährungsstrafen zwischen einem und zwei Jahren erhalten. Nur ein 21-Jähriger, der nach Erwachsenen-Strafrecht verurteilt worden war, muss für vier Jahre in Haft.

Viele Menschen waren über das ihrer Ansicht nach zu milde Urteil empört. Auch zahlreiche RTL-Aktuell-User machten ihrem Ärger auf Facebook Luft. "Das hat mit Gerechtigkeit nichts mehr zu tun", heißt es in einer Petition auf der Online-Plattform change.org. Die Entscheidung zur Revision sei bereits am Freitag und ganz unabhängig von einer Online-Petition erfolgt, die bis zum Montagmittag bereits mehr als 15.000 Unterstützer hatte.
Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, betonte, dass die Anklagebehörde von solchen Petitionen nicht beeinflussen lasse. "Wir wollen das Urteil überprüfen lassen", erklärte Frombach. "Das entspricht zwar in Teilen, aber nicht in allen Bereichen unserem Antrag." Bei einem 16-Jährigen hatte die Staatsanwaltschaft eine Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten beantragt, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Bei zwei anderen Jugendlichen (14 und 17 Jahre) hatte die Anklage auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren plädiert, die Entscheidung über eine Bewährung in diesen beiden Fällen sollte noch einmal zurückgestellt werden.
Der Richter hatte in der Begründung zum Urteil angeführt, dass die Jugendlichen glaubhafte Geständnisse abgelegt und sich reumütig gezeigt hätten. Außerdem hätten sie gute Sozialprognosen. Zum Teil sollen sie in Jugendeinrichtungen untergebracht werden oder Therapien machen.