6. Oktober 2015 - 16:28 Uhr

Wann immer die deutsche Nationalmannschaft ruft, ist ein Mann meistens nicht dabei: Marco Reus. Kein Nationalspieler hat so häufig mit Verletzungen zu kämpfen, wie der titellose Mittelfeldstar von Borussia Dortmund. Nun steht der 26-Jährige fürs Finale der European Qualifiers wieder im Kader – und die Angst vor dem nächsten Schock ist mit dabei.

Kein Nationalspieler ist so häufig verletzt wie Marco Reus.
Sein Weg in der Nationalmannschaft ist gepflastert mit Verletzungen: Marco Reus.
© imago/Team 2, imago sportfotodienst

Als ihn Bundestrainer Joachim Löw kurz vor der WM 2010 in den DFB-Kader berief, musste der damals 21-Jährige wegen muskulärer Probleme zuhause bleiben. Seitdem scheinen Reus stets höhere und zugleich böse Mächte einen Strich durch die Rechnung zu machen, wenn es darum geht, das Trikot mit den (mittlerweile) vier Sternen überzustreifen. Grippe, Adduktoren-Probleme, Innenbandriss im Sprunggelenk, Muskelfaserriss & Co. verhinderten konsequent den Durchbruch eines der größten deutschen Talente in der Nationalelf.

Die körperliche Misere von Deutschlands Fußballer des Jahres 2012 gipfelte darin, die WM 2014 zu verpassen. Im letzten Testspiel vor dem Turnier in Brasilien gegen Armenien zog sich Reus einen Teilriss der linken vorderen Syndesmose nebst knöchernem Bandausriss an der Fersenbein-Vorderseite zu, fiel erneut aus und musste von der heimischen Coach zusehen, wie seine Kollegen nach dem 1:0 gegen Argentinien den WM-Pokal in die Luft streckten. Dass Siegtorschütze und Ex-BVB-Teamkollege Mario Götze nach der Siegerehrung ein Trikot mit Reus' Namen präsentierte, war zwar rührend – aber gleichwohl bittersüße Romantik, die das Leid verdeutlichte, mit dem Reus seit Jahren zu kämpfen hat.

Reus‘ Aua-Tradition und das Gesetz der Serie

Nun steht der rückschlagerprobte Reus nach seinem ausgeheilten Zehenbruch wie erwartet für die letzten beiden EM-Quali-Spiele am Donnerstag in Dublin gegen Irland und Sonntag in Leipzig gegen Georgien (RTL überträgt Donnerstag ab 20.15 Uhr und Sonntag ab 20.00 Uhr live) im Kader des Weltmeisters. Es gibt – neben dem Führerschein – vieles nachzuholen für den gebürtigen Dortmunder. Und wie immer viel zu verlieren.

Neben der Frage nach der mentalen Verfassung (zuletzt die Höchststrafe: BVB-Coach Thomas Tuchel ließ den Star beim Granaten-Gipfel beim FC Bayern zunächst auf der Bank), schwingt auch wie immer die Angst um die körperliche Unversehrtheit des 25-maligen Nationalspielers mit: Zieht er sich auf den letzten Metern wieder irgendetwas zu, sei es, dass er sich beim Gang zum Büffet vertritt? Welcher Muskel macht nach dem Aufwachen spontan zu? Wer grätscht ihm beim Abschlusstraining aus Versehen das Sprunggelenk platt? Fragen, die im Falle von Reus nicht nur erlaubt, sondern befürchtet werden müssen, denn eins ist klar: Bei Reus' Blessuren gilt das Gesetz der Serie.