Rettungsschiff "Lifeline" darf in Malta anlegen – Ermittlungen gegen Kapitän werden geprüft

26. Juni 2018 - 14:41 Uhr

Gute Nachrichten für deutsches Rettungsschiff "Lifeline"

Erst vor wenigen Tagen war es im Mittelmeer fast zu einer humanitären Katastrophe gekommen: Das Schiff "Aquarius" mit mehr als 600 Flüchtlingen an Bord trieb tagelang vor den europäischen Küsten umher – weil Malta und Italien dem Kapitän untersagt hatten, in ihren Häfen anzulegen. Spanien schaltete sich schließlich ein und bot Hilfe an. Nach einer langen Irrfahrt erreichten die Hilfsbedürftigen so Valencia. Auch das deutsche Rettungsschiff "Lifeline" trieb ohne Anlegeerlaubnis im Mittelmeer. Jetzt steht fest: Das Schiff mit rund 230 Flüchtlingen an Bord darf in Malta vor Anker gehen. Die maltesischen Behörden erwägen indes Ermittlungen gegen den Kapitän.

"Lifeline" wartet bereits seit Donnerstag

Gute Nachrichten für die "Lifeline": Das Rettungsschiff mit 230 Migranten und 17 deutschen Besatzungsmitgliedern an Bord darf in Malta vor Anker gehen. Das teilte die italienische Regierung mit. Er habe mit dem maltesischen Premierminister Joseph Muscat telefoniert, erklärte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Dienstag: "Das Schiff der NGO Lifeline wird in Malta anlegen."

Die "Lifeline" wartete bereits seit Donnerstag vor der maltesischen Küste auf die Erlaubnis, in Italien oder Malta anlegen zu dürfen. Jedoch wollte keines der Länder die Migranten im Empfang nehmen. Auch Spanien hatte abgelehnt. Malta hatte zuvor erklärte, es liefen Diskussionen, ob das Schiff in Malta anlegen dürfe – allerdings nur unter der Bedingung, dass die Migranten dann auf EU-Länder verteilt würden.

Malta prüft zudem Ermittlungen gegen den Kapitän des Rettungsschiffs der deutschen Organisation Mission Lifeline. Dieser habe bei der Rettung der Migranten vergangene Woche Anweisungen der italienischen Behörden ignoriert, teilte die Regierung in Valletta am Dienstag mit. Die "Lifeline" hatte die Migranten am Donnerstag vor der libyschen Küste aus dem Meer gerettet. Die Regierung in Rom hatte erklärt, der NGO die Anweisung gegeben zu haben, die Bergung der libyschen Küstenwache zu überlassen. Da diese aber auf entsprechende Anfragen nicht reagierte, hatte die Besatzung der "Lifeline" die Menschen an Bord geholt.

"Alexander Maersk" bereits in Italien angelegt

Auch das dänische Containerschiff "Alexander Maersk" wartete tagelang mit mehr als 100 geretteten Migranten an Bord vor Italiens Küste. Mittlerweile durfte es anlegen. Der Frachter konnte Medienberichten zufolge in der Nacht zu Dienstag im sizilianischen Pozzallo ankern. Erst kurz zuvor hatte die neue Regierung Italiens dies genehmigt. Der Bürgermeister der Stadt Pozzallo erklärte italienischen Nachrichtenagenturen am Montagabend, Innenminister Matteo Salvini habe der "Alexander Maersk" erlaubt, in den Hafen einzulaufen. "Wir werden diese Menschen mit der gleichen Menschlichkeit wie immer aufnehmen", sagte Roberto Ammatuna. "Heute ist ein wichtiger Tag, weil es sich (...) gezeigt hat, dass die Solidarität immer noch ein verbreitetes Gefühl ist."

Das Schiff der Reederei Maersk hatte in der Nacht zu Freitag 113 Migranten im Mittelmeer aufgenommen und die letzten Tage auf die Erlaubnis gewartet, anlegen zu dürfen.