RTL-Interview mit spanischer Expertin

Rettungsdrama in Totatlán: So helfen Psychologen Julens Eltern

22. Januar 2019 - 18:48 Uhr

Julens Eltern werden rund um die Uhr betreut

Seit neun Tagen ist der kleine Julen in einem tiefen Schacht in der Nähe von Málaga gefangen. Was seine Eltern in dieser Zeit durchgemacht haben, kann man sich kaum vorstellen. Und auch jetzt, wo die Rettung in die entscheidende Phase geht, hört das Zittern nicht auf. Denn die Arbeiten an dem Bohrloch stehen schon wieder still. Die Eltern des verschütteten Jungen werden rund um die Uhr von Psychologen betreut, um die belastende Situation überhaupt verkraften zu können.

"Wir versuchen, sie zu beruhigen"

Seit dem tragischen Sonntagnachmittag, als der Junge beim Spielen in das Loch fiel, sind die Psychologen permanent im Einsatz. "Aus unserem Team ist 24 Stunden jemand bei der Familie. Wir rotieren in Schichten, die immer von zwei Personen besetzt werden", erklärt Psychologin Francisca Ruiz. Im Video erklärt sie, was Julens Eltern gerade durchmachen. 

Was besonders schwer ist: Sie können nichts tun, um ihrem Kind zu helfen, außer abzuwarten. "Was wir versuchen ist, sie zu beruhigen, dass sie in das vertrauen, was gerade bei den Rettungsaktionen geschieht und was die Rettungskräfte realistischer Weise unternehmen können", erklärt Ruiz.

Das sei nicht immer einfach, denn bei jeder Verzögerung und bei jeder Panne, die passiert, wird es schwerer, den Rettungskräften voll zu vertrauen. "Jede Schwierigkeit, die wir alle durch die Medien erfahren, macht uns ja schon betroffen und sie natürlich umso mehr", erklärt die Psychologin. "In unserer Arbeit mit den Eltern geht es darum, die Emotionen auf angemessene Art zu kanalisieren." So sollen posttraumatische Folgen verhindert werden.

Kein Lebenszeichen von Julen

Rettungsaktion in Spanien
Julens Eltern werden rund um die Uhr von Psychologen betreut.
© imago/CordonPress, imago stock&people

Niemand weiß, ob Julen überhaupt noch am Leben ist. Denn ein Lebenszeichen des Jungen gibt es nicht. In etwa 70 Metern Tiefe fanden die Retter eine Tüte Süßigkeiten, die der Zweijährige bei sich hatte, als er in das schmale Loch fiel. Dann verhinderte lose Erde, dass die Helfer mit einer mobilen Kamera weiter vordringen konnten. Je länger die Rettungsaktion dauert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass das Kind noch lebend geborgen wird.

Erst 2017 mussten die Eltern einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Damals starb Julens älterer Bruder durch plötzliches Herzversagen. Wie kann man überhaupt mit so einer Situation umgehen, wenn man schon mal ein Kind verloren hat? "Das ist sehr, sehr schwierig, aber sie müssen es ja", meint Ruiz. "Sie machen das sehr gut", erklärt die Psychologin. "Es gelingt ihnen immer wieder, sich zu beruhigen und die Fassung zu bewahren."

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Bis die Retter zu Julen vordringen können, dauert es noch

Rettungsaktion in Spanien
Wie lange die Retter noch brauchen, um den Jungen aus dem Schacht zu holen, ist noch unklar.
© imago/Agencia EFE, DANIEL PEREZ, imago stock&people

Wann der Zweijährige aus dem 25 bis 30 Zentimeter breiten Loch gerettet werden kann, ist noch immer unklar, denn im Moment stehen die Rettungsarbeiten wieder still. Die Retter konnten inzwischen zwar einen parallelen Schacht bohren. Jetzt müssen sie aber per Hand noch eine vier Meter lange Querverbindung graben, um den Schacht zu erreichen, in dem Julen gefangen ist. Sie sollen sich mit Spitzhacken und Presslufthämmern vorarbeiten.

"Wir kalkulieren, dass wir in ungefähr 24 Stunden bei Julen sein können, wenn die Minenarbeiter ihre Arbeit aufnehmen", erklärte die Psychologin, die mit dem Rettungsteam in Kontakt steht. Allerdings ist im Moment noch nicht klar, wann die Arbeiter weitergraben können und ob dann nicht noch weitere Schwierigkeiten auftreten.