7,5 Millionen Neuwaren landen sinnlos im Müll

Bundesregierung will Wegwerf-Wahnsinn stoppen

13. Februar 2020 - 10:26 Uhr

Fast 20 Millionen retournierte Artikel müssen entsorgt werden

Egal ob Klamotten, Bücher oder Möbel: Die Deutschen bestellen gerne online. Sie schicken aber auch zahlreiche Artikel zurück. Und hier landet viel Neues im Müll.  Im Jahr 2018 wurden nach einer Schätzung der Forschungsgruppe Retourenmanagement fast eine halbe Milliarde Artikel retourniert - fast 20 Millionen wurden daraufhin entsorgt. Die Gründe sind unterschiedlich: Viele Artikel können nicht aufbereitet werden, für Spenden fänden die Versandhändler häufig keine Abnehmer, manche Artikel würden aus Mangel an Lagerflächen weggeschmissen, so die Forschungsgruppe. Im letzten Fall waren das 2018 laut Schätzungen 7,5 Millionen Artikel.

Umweltministerin legt neuen Gesetzesentwurf vor und nimmt Verbraucher in die Pflicht

Das hat jetzt auch die Bundesregierung auf den Plan gerufen. Umweltministerin Svenja Schulze will der Vernichtung von Produkten durch Online-Händler einen Riegel vorschieben: "Neuwertige Waren einfach wegschmeißen, einfach verbrennen, so kann man mit den Ressourcen nicht umgehen", kritisierte sie. Gleichzeitig nahm sie aber auch die Gesellschaft in die Pflicht: "Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich natürlich auch fragen, ob es für die Umwelt wirklich gut ist, viele Artikel zu bestellen und die Hälfte dann wieder zurückzusenden."

Das sagt der Kabinettsbeschluss: Nicht nur Retouren-Abfälle sollen vermieden werden

  • Online-Händler sollen künftig transparent darstellen, ob und wie viele Waren sie vernichten
  • Händler sollen an Entsorgungskosten für Einwegbecher und Zigaretten beteiligt werden
  • Bundesbehörden und öffentliche Institutionen sollen künftig recycelte Produkte bevorzugen

Beschlossen ist das Gesetz allerdings noch nicht. Es wird jetzt noch im Bundesrat und Bundestag diskutiert.

Kritik von Umwelthilfe und Grünen

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göhring Eckhardt kritisierte den Kabinettsbeschluss der Bundesregierung: "Es ist schade, dass sich SPD und Union einer schnellen und nachhaltigen Lösung bislang verweigern und heute wieder nur Symbolpolitik betreiben", sagte Göhring-Eckhardt.

"Die sinnlose Zerstörung funktionsfähiger Waren muss aus Gründen des Klimaschutzes umgehend beendet werden. Genau dies hatte die Bundesumweltministerin im letzten Jahr versprochen. Jetzt bricht sie ihr Wort, indem sie keine verbindliche Obhutspflicht festlegt, sondern lediglich die Möglichkeit festschreibt, zukünftig eine Verordnung zu erlassen. Das löst jedoch das eigentliche Problem nicht.", sagte die Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe Barbara Metz.

Zu wenig Abfallvermeidung in Deutschland

Abfallvermeidung wird in Deutschland bislang kaum umgesetzt. Ein Grund dafür sind fehlende Ziele zur Vermeidung unnötiger Abfälle. Deshalb sollten Restabfall und Sperrmüll durch eine verbindliche Zielsetzung von aktuell 188 Kilogramm auf 140 Kilogramm pro Einwohner und Jahr bis 2025 und 90 Kilogramm bis 2030 reduziert werden. Lebensmittelabfälle sollten von aktuell 220 Kilogramm pro Einwohner und Jahr bis 2030 halbiert werden.