Restaurantbesuch ade: Strengere Regelungen greifen

Leere Tische und Stühle stehen vor einer Gaststätte auf dem Frankfurter Römerberg. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

21. März 2020 - 19:00 Uhr

In Hessen gelten wegen des Coronavirus seit Samstag schärfere Einschränkungen im Alltag - und die Menschen befolgen die neuen Regeln größtenteils. Mehrere Polizeipräsidien meldeten bis zum Nachmittag keine oder zumindest keine gröberen Verstöße. "Bislang halten sich die Leute dran", teilte etwa ein Sprecher in Darmstadt mit. Die Beamten fuhren bei ihren Streifen teils gezielt Parks oder Sportanlagen ab, wo sich in den vergangenen Tagen noch zahlreiche Menschen aufgehalten hatten. Die Beamten reagierten außerdem auf Hinweise zu möglichen Verstößen.

Die schärferen Maßnahmen der Landesregierung sollen dafür sorgen, die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. So dürfen sich nur noch maximal fünf Personen, die nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben, an einem öffentlichen Platz versammeln. Gastronomen mussten ihre Lokale am Samstag um 12.00 Uhr bis auf Weiteres schließen - und taten das nach den ersten Beobachtungen der Polizei auch. Weiterhin erlaubt ist, sich Essen zu bestellen und liefern zu lassen.

MEHR CORONA-FÄLLE

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 ist in Hessen weiter gestiegen - von 962 auf 1166. Nach zwei Todesfällen in Wiesbaden und Mainhausen meldete der Main-Taunus-Kreis den Tod eines 72-Jährigen in Flörsheim. Die Umstände deuteten auf die Infektion als Todesursache hin, teilte der Kreis mit.

Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) appellierte auf Twitter an die Hessen, sich an die Maßnahmen und Abstandsregeln zu halten. Das sei nötig, um die Risikogruppen wie etwa alte oder geschwächte Menschen zu schützen. "Treffen Sie so wenig Menschen wie möglich", erklärte Klose eine wichtige Grundregel. "Und wenn Sie sich dort dann begegnen, halten Sie einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zueinander."

EINKAUFEN UND ENTRÜMPELN

Der Run in den Supermärkten auf bestimmte Waren dauerte in Hessen an: Klopapier und Nudeln waren am Samstag etwa in einem Offenbacher Supermarkt ausverkauft, und zwar schon morgens um 8.00 Uhr. Vor der Kasse waren mit rot-weißem Flatterband, das auf den Boden geklebt war, Wartezonen eingezeichnet.

Damit der Einkauf in geordneten Bahnen verläuft, erließ der Kreis Marburg-Biedenkopf eine Verfügung. Demnach gilt unter anderem, dass sich nur eine bestimme Anzahl von Kunden gleichzeitig im Verkaufsraum etwa von Supermärkten oder Apotheken aufhalten darf und die Menschen einen Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten müssen. Und: "Waren dürfen nur in einem haushaltsüblichen Umfang an eine Person abgegeben werden, sogenannte Hamsterkäufe sind verboten."

Auf dem beliebten Wochenmarkt in Frankfurt-Bornheim forderten die Anbieter am Samstag ihre Kunden auf, Abstand zu halten und sich die Waren nicht selbst zu nehmen. Imbissstände waren vom Platz am Uhrtürmchen verbannt worden. Auf dem Bauernmarkt an der Konstablerwache blieben die Kunden diszipliniert und auf Abstand bedacht. Das fiel auch leichter als sonst, weil die sonst gut frequentierten Imbiss- und Getränkestände nicht aufgebaut waren.

Erneut großer Andrang herrschte bei den kommunalen Wertstoffhöfen, weil viele Bürger derzeit ihre Keller ausmisten. Unter anderem baten die Stadtreiniger in Kassel die Bürger, kein Entrümpelungsmaterial mehr zu bringen.

GUTE GESCHÄFTE

Eine Chemie-Firma aus Darmstadt gehört zu den Unternehmen, die von der Corona-Krise profitieren. Das Unternehmen Röhm stellt unter anderem Plexiglas her, das derzeit insbesondere in Supermärkten als Mitarbeiterschutz an den Kassen stark gefragt ist. "Seit ein paar Tagen ist die Nachfrage nach unseren Plexiglas-Lösungen für Kassen und Schalter sprunghaft angestiegen und liegt zehn- bis zwölfmal höher als sonst üblich", sagte Unternehmenschef Michael Pack dem Magazin "Wirtschaftswoche".

STAATSTHEATER DARMSTADT LÄNGER ZU

Das Staatstheater Darmstadt schließt seine Bühnen noch länger als bislang angekündigt. Nunmehr soll es bis zum 31. Mai keine Vorstellungen mehr geben, teilte das Haus am Samstag mit. Die Künstler arbeiten in der Zwangspause an digitalen Formaten. Zwei sind inzwischen am Start: "Die tägliche Dosis", ein buntes Angebot aus Homestories, Theatergeschichten, Mitschnitten von Inszenierungen und Konzerten. Außerdem gibt es "Vitamin L". Das Ensemble liest zeitgenössische Literatur.

Quelle: DPA