RTL News>News>

'Reproduktionstourismus': Immer mehr Deutsche erfüllen sich Kinderwunsch im Ausland - weniger Adoptionen

'Reproduktionstourismus': Immer mehr Deutsche erfüllen sich Kinderwunsch im Ausland - weniger Adoptionen

Drastische Folgen für Heimkinder

Immer mehr kinderlose Paare in Deutschland erfüllen sich ihren Wunsch vom eigenen Nachwuchs inzwischen im Ausland. Mittlerweile kann man sogar von einer Art 'Reproduktionstourismus' sprechen, da in Deutschland viel strengere Regeln gelten, als zum Bespiel in anderen europäischen Ländern. Parallel dazu geht die Zahl der Adoptionen zurück - mit drastischen Folgen häufig für die betroffenen Heimkinder.

Tschechien als Ziel für Eizellenspende sehr beliebt

Geburtshilfekliniken, zum Beispiel in Tschechien, boomen. Zum Teil 80 Prozent der Kundinnen kommen aus Deutschland - häufig sind es Frauen ab 40, die sich eine Eizellenspende wünschen, um doch noch schwanger zu werden. In Deutschland sind Eizellenspende oder Leihmutterschaft verboten, viele wählen deshalb den Weg ins Ausland für den Traum vom eigenen Kind. Die Wünsche sind dabei immer gleich: Die Kundinnen wollen, gesunde, intelligente und schöne Kinder haben - fast kann man schon von Designer-Babys sprechen. Mehr dazu erfahren Sie auch in unserem Video.

Adoptionen gehen zurück - Vermittlungsstellen schließen

YWenn es wieder mal auf natürlichem Wege nicht geklappt hat, sehen viele Paare ihre letzte Möglichkeit im Ausland.
Wenn es wieder mal auf natürlichem Wege nicht geklappt hat, sehen viele Paare ihre letzte Möglichkeit im Ausland.
Getty Images, BraunS

Gleichzeitig zu der Entwicklung in der Reproduktions-Medizin hat die Bundeszentralstelle für Auslandsadoptionen einen drastischen Rückgang von Adoptionsbewerbern festgestellt. Seit 2004 sinkt die Zahl derer, die zum Beispiel ein Kind aus dem Ausland adoptieren wollten - um bis zu 72 Prozent.

Viele Vermittlungsstellen mussten bereits schließen, beklagt etwa der Verein ‚Help a child e.V.‘ - mit zwei drastischen Folgen:

  • Zum Einen werden aus dem Ausland, vor allem aus ärmeren Ländern, weniger Kinder adoptiert, die sonst eine Chance auf eine bessere Zukunft hätten.
  • Zum Anderen reist durch die Schließung bei den bereits adoptierten Kindern der Kontakt zur leiblichen Verwandtschaft ab. Das ist dann dramatisch, wenn die Kinder irgendwann auf die Suche nach den eigenen Wurzeln gehen wollen.
Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Zu hohe Hürden bei einer Adoption?

Doch nicht nur die Möglichkeiten, sich medizinisch den Kinderwunsch im Ausland erfüllen zu können, sorgt offenbar dafür, dass sich viele Paare gegen die Adoption entscheiden. Oftmals sind es auch bürokratische Hürden. Eine Eizellenspende in Tschechien sei häufig einfacher umzusetzen, als die Anforderungen und die Wartezeit, um ein Kind zu adoptieren. Dazu gehört, dass Bewerberpaare auf Herz und Nieren geprüft werden. Dabei muss man Fragen beantworten, wie: Ist die Beziehung glücklich? Sind die finanziellen Voraussetzungen für ein Kind gegeben? Wie ist der eigene familiäre Hintergrund? Führungszeugnis und Schufa-Auskunft sind ebenfalls obligatorisch. Dazu gilt häufig ein Maximalalter von 40 Jahren für die Eltern, die Behörden können aber auch im Einzelfall entscheiden. Eine Inlandsadoption kostet etwa 300 Euro zugzüglich Notarkosten.

Eine Adoption aus dem Ausland liegt bei ungefähr mindestens 800 Euro. Zwar sind die Adoptionskosten immer noch niedriger, als die für Reproduktionsmedizin, dennoch steigen sie immer weiter an, je weniger Kinder adoptiert werden. Unterm Strich bleibt so den Heimen weniger Geld, um sich um die armen Kinder vor Ort kümmern zu können. ‚Help a Child‘ weist darauf hin, dass - unabhängig von einer Adoption - schon 25 Euro im Monat helfen, vielen Kindern in den ärmeren Ländern eine Schulbildung ermöglichen oder ausreichend Essen auf den Tisch bringen. Auch hier hoffe man weiter auf finanzielle Unterstützung aus Deutschland.