Rentner (84) aus Haan bei Düsseldorf überfallen und gequält - jetzt muss er seinen Peinigern gegenübertreten

29. August 2018 - 16:06 Uhr

Carl Kaufhold konnte erst in letzter Minute von einem Nachbarn gerettet werden

Was der 84-jährige Carl Kaufhold erleben musste, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Der Rentner wurde in seinem eigenen Haus überfallen und über Stunden festgehalten, geschlagen und erniedrigt. Anschließend zündeten die Täter sein Haus an. Fast hätte Carl Kaufhold im Feuer sterben müssen – doch in letzter Sekunde konnte er von einem Nachbarn gerettet werden. Jetzt hat der Prozess gegen einen Teil der mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Wuppertal begonnen.

Der Rentner musste stundenlange Qualen über sich ergehen lassen

Das Erdgeschoss ist ausgebrannt, zerstörte Möbel stehen in einem rußgeschwärzten Raum
Das Haus von Carl Kaufhold ist unbewohnbar geworden.
© RTL

Mit aufmerksamen Blick und kräftiger Stimme spricht Carl Kaufhold (84) in die Kamera. Der alte Herr wirkt erstaunlich gefasst, wenn man bedenkt, was er erleiden musste. Im Mai vergangenen Jahres lauerten ihm zwei Einbrecher in seinem Haus in Haan bei Düsseldorf auf, als er aus der Stadt nach Hause kam. Die Täter zogen dem damals 82-Jährigen einen Sack über den Kopf, traten und schlugen ihn stundenlang und verletzten ihn mit einem Messer. Anschließend drohten sie ihm nach eigener Aussage sogar noch mit dem Tod.

Doch damit nicht genug. Wahrscheinlich aus Wut, dass der Senior kein Bargeld im Haus hatte, zündeten die Täter das Gebäude an. Zuvor hatten sie den alten Herrn ebenfalls mit Brandbeschleuniger übergossen, ihn aber noch in den Garten gezerrt: "Nachdem man mich stundenlang gefoltert hatte. Geschlagen. Getreten und mir ein Messer ins Bein gestochen hatte. Das war dann die Endphase." Ein aufmerksamer Nachbar bemerkte das Feuer schnell und konnte Carl Kaufhold vor noch Schlimmerem bewahren.

Das Trauma des Überfalls sitzt tief – wie soll es weitergehen?

Carl Kaufhold (84) im Interview
Im Interview wirkt der 84-Jährige erstaunlich gefasst - wie traumatisiert er wirklich ist, lassen seine Worte erahnen.
© RTL

Auch wenn er gefasst wirkt – das Opfer ist schwer traumatisiert, weiß kaum, wie er nach der Tat weiterleben soll. Das Haus, in dem er lebte, wurde bei dem Brand zerstört und ist jetzt unbewohnbar. Der alte Herr hat seine Lebensgrundlage verloren. Wie schlimm es ihm wirklich geht, offenbart sich nur langsam. Am Ende unseres Interviews sagt er einen Satz, der einem die Sprache verschlägt. Die bewegendet Worte des Rentners: in unserem Video.

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Hauptbeschuldigter arbeitete bei der Stadt Haan

Ein Gerichtsfoto aus dem Landgericht Wuppertal. Angeklagt sind jetzt drei Männer und eine Frau.
Vor Gericht stehen jetzt drei Männer und eine Frau. Sie sollen bei der Tat geholfen haben.
© RTL

Beim Prozess tritt er jetzt drei Männern und einer Frau gegenüber. Der Hauptbeschuldigte fehlt, da er sich zeitgleich wegen einer Reihe von Überfällen auf Geldtransporter vor Gericht in Hagen verantworten muss. In Wuppertal wird ihm erpresserischer Menschenraub vorgeworfen. Die Mitbeschuldigten stehen im Verdacht, bei dieser Tat mindestens Beihilfe geleistet zu haben.

Das Perfide: Einige der mutmaßlichen Täter kannten das Opfer. Der Hauptbeschuldigte war ein Mitarbeiter der Stadt Haan, in der das Opfer lebte. Durch seine Arbeit beim Tiefbauamt kannte der Mann das Haus des Opfers, wählte es wahrscheinlich deswegen aus. Bei einer Verurteilung drohen allen Tätern lange Haftstrafen.

Das Geschehene zu vergessen, ist unmöglich

Carl Kaufhold ist es wichtig, den mutmaßlichen Tätern ins Gesicht zu blicken. Das Geschehene wird der alte Herr wohl nie mehr vergessen können – doch ein aus seiner Sicht gerechtes Urteil könnte ihm helfen, damit abzuschließen.