Kommission zur Zukunft der Sozialversicherung

Arbeitgeber fordern: Erst mit 70 in die Rente

Die Rente genießen - in Zukunft erst ab 70 möglich, wenn es nach den Arbeitgebern geht.
Die Rente genießen - in Zukunft erst ab 70 möglich, wenn es nach den Arbeitgebern geht.
© imago/Westend61, Uwe Umstätter, imago stock&people

14. August 2020 - 13:27 Uhr

Kommission von Arbeitgeberverband eingesetzt

Die Sozialversicherungsbeiträge werden ohne Gegenmaßnahmen in den nächsten Jahren deutlich steigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eingesetzte Kommission zur Zukunft der Sozialversicherung. Die Experten forderten daher am Donnerstag in Berlin ein ganzes Maßnahmenbündel, um die Belastung weiterhin unter 40 Prozent zu halten. Unter anderem sollen Arbeitnehmer noch länger arbeiten.

Vorzeitiger Renteneintritt soll nicht mehr möglich sein

Über der 40-Prozent-Marke würde es negative Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt geben und zulasten des Wirtschaftswachstums gehen, sagte Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum. Er leitet die 2019 eingesetzte Kommission, die sich aus Arbeitgebern und Wissenschaftlern zusammensetzt, nicht aber Gewerkschaften. "Wir sind schon an der Grenze."

Dem Kommissionsbericht zufolge wird die Summe der Beitragssätze in der Sozialversicherung wegen der immer älter werdenden Bevölkerung bis 2040 auf knapp 50 Prozent steigen - bis 2080 sogar auf rund 55 Prozent. "Erforderlich ist ein ganzes Bündel gezielter Maßnahmen", sagte Werding.

Die Kommission sprach sich für eine längere Arbeitszeit zur Stabilisierung des Systems aus, inklusive einer automatischen Bindung der Altersgrenze an die Lebenserwartung ab 2031. Ein vorzeitiger Renteneintritt mit Abschlägen soll nicht mehr möglich sein. Bei einem späteren Renteneintritt soll es höhere Zuschläge geben. Der Bundeshaushalt soll zudem stärker zur Finanzierung herangezogen werden.

Regelaltersgrenze soll in Zukunft bei 70 Jahren liegen

Vorgesehen von der Politik ist bereits bis 2031 eine Erhöhung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre. Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen würde sie nach Berechnungen der Kommission 2040 bei 68 Jahren liegen, 2050 bei 69 Jahren und 2060 bei 70 Jahren - alles bei einer weiter steigenden Lebenserwartung der Deutschen.

"Keine Alternative ist jedoch, nichts zu tun und die Belastung des Faktors Arbeit immer weiter steigen zu lassen", sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Alexander Gunkel. "Denn bezahlbare Arbeitkosten sind die zwingende Voraussetzung für einen funktionierenden Arbeitsmarkt und einen leistungsfähigen Sozialstaat." Es sei möglich, die Belastung durch Sozialkosten zu begrenzen. Die Politik sei gefordert, zeitnah zu handeln. Denn die deutschen Unternehmen seien bereits so stark belastet wie in sonst kaum einem anderen Land.

Quelle: RTL.de / Reuters / DPA

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