Merkel besucht Laschet in NRW

Rennen um die Kanzlerkandidatur in der Union ist längst gestartet

Besuch von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 18.8.2020 in Düsseldorf Dr. Angela Merkel ( Bundeskanzlerin ), links -
Besuch von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am 18.8.2020 in Düsseldorf Dr. Angela Merkel ( Bundeskanzlerin ), links -
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18. August 2020 - 15:59 Uhr

von Heike Boese

Kein Märchenschloss, kein prunkvoller Spiegelsaal und auch keine Kutschfahrt. Der Besuch der Bundeskanzlerin in Nordrhein-Westfalen ist eher das Kontrastprogramm zu dem in Bayern vor wenigen Wochen – und das soll auch so sein.

Als Angela Merkel bei Ministerpräsident Markus Söder am schönen Chiemsee war, musste man eigentlich extra dazu sagen, dass das Arbeit ist. Es sah eher aus wie die perfekte Inszenierung einer schönen, heilen und vor allem gesunden Welt inmitten der Corona-Pandemie. Nicht mal die Mund-Nase-Masken, die alle trugen, konnten diesen Eindruck spürbar schmälern. Das ist heute anders.

Maloche statt Glamour, Zeche Zollverein statt Märchenschloss

Armin Laschet, der Ministerpräsident von NRW und ebenso wie Söder ein möglicher Kanzlerkandidat der Union, setzt voll auf Kontrast: Maloche statt Glamour, Zeche Zollverein statt Märchenschloss. Zwar wird in dem gigantischen Zechenkomplex im Ruhrgebiet, den Angela Merkel am Nachmittag besucht, schon lange keine Kohle mehr gefördert, aber die Symbolik ist klar.

Während die Bayern die Bundeskanzlerin mit Prunk und Pomp beeindrucken wollten, steht Nordrhein-Westfalen für Bodenständigkeit. Das darf durchaus als kleiner Seitenhieb in Richtung Markus Söder verstanden werden, der seinen Kollegen aus NRW heftig für dessen angeblich zu lasche Corona-Politik kritisiert hatte. Beide Länder - Bayern und Nordrhein-Westfalen – gehören zu den am stärksten von Corona betroffenen Regionen in Deutschland und vor allem die Ministerpräsidenten lieferten sich über Monate einen inoffiziellen Wettkampf um die Frage, wer die Lage besser beherrscht. In der Hoffnung, sich als kompetenter Krisenmanager zu präsentieren und so wertvolle Pluspunkte im Rennen um die anstehende Kanzlerkandidatur zu sammeln. Lange lag Markus Söder vorn, musste aber wegen der Panne bei den Testergebnissen für Urlaubsrückkehrer Federn lassen.

Vier Männer wollen Merkel und AKK folgen - das Rennen ist noch lange nicht entschieden

Dabei ist längst nicht ausgemacht, dass diese Frage zwischen Armin Laschet und Markus Söder ausgemacht wird. In der CDU hat immer noch der oder die Parteivorsitzende das Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur und muss sich dann mit der Schwesterpartei CSU einigen. Da die derzeitige Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer beim nächsten Parteitag nicht wieder antritt, muss man erstmal abwarten, wer ihr folgt.

Da sind neben Armin Laschet auch noch der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen im Rennen. Auch wenn die beiden vermeintlich nur Außenseiterchancen haben, sollte man sie nicht vorzeitig abschreiben. Vor allem Friedrich Merz steht in Ost-Deutschland hervorragend da und überholt in der Beliebtheit Armin Laschet deutlich.

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Passend dazu übrigens auch die Gastgeschenke, die ihr Armin Laschet überreicht hat: das komplette Werk von Ludwig van Beethoven auf CD und eine Luftaufnahme ihrer Heimatstadt Templin im Nordosten von Brandenburg. Hier besitzt Angela Merkel ein Wochenendgrundstück, auf dem ihre berühmte "Datsche" steht. Für beides – die geliebte klassische Musik und die Datsche – wird sie wohl erst mehr Zeit haben, wenn sie aus dem Amt scheidet und die Verantwortung für Deutschland übergibt. An wen, das wissen wir erst in etwas mehr als einem Jahr.

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