Reiter bemalen Pferde mit Zebrastreifen – das schützt vor Insekten

Viele Reiter bemalen ihre Lieblinge neuerdings mit einem Zebrastreifenmuster, um lästige Bremsen und Stechfliegen von ihnen fernzuhalten.
Viele Reiter bemalen ihre Lieblinge neuerdings mit einem Zebrastreifenmuster, um lästige Bremsen und Stechfliegen von ihnen fernzuhalten.
© dpa, Sebastian Kahnert

28. Juli 2013 - 19:18 Uhr

Wissenschaftler haben keinen eindeutigen Beweis für die Wirksamkeit

Es klingt wie ein Scherz, aber viele Reiter schwören auf ein neues Rezept gegen die verhassten Blutsauger an ihren Pferden: Sie malen ihren Lieblingen Zebrastreifen aufs Fell. In sozialen Netzwerken verbreiten sie die frohe Kunde. Hunderte Pferdebesitzer berichten beispielsweise in der vor wenigen Tagen gegründeten Facebook-Gruppe 'Bremsenfrei dank Zebrastreifen' über den Erfolg der Methode.

Auf der Pinnwand des Forums sind Dutzende Fotos von Pferden mit künstlichen Streifenmustern zu sehen. Die Besitzer der Vierbeiner geben Ratschläge zu den vermeintlich besten Mustern und tauschen sich aus über geeignete Zutaten für die Farbe. Die Wissenschaft hat jedoch noch keinen eindeutigen Beweis für die Wirksamkeit des Streifenlooks.

Zweifel keimen in der Facebook-Gemeinde dagegen nicht auf. Der Tenor der Kommentare in den Gruppen ist eindeutig. So fasst etwa Nutzerin Sibylle zusammen: "Klappt gut, deutlich weniger Bremsen, sie schwirren rum, landen aber nicht mehr." Nutzerin Lena glaubt, den ultimativen Beweis angetreten zu haben: Nach zwei Dritteln des Fells ihrer 'Cinderella' ging die Farbe aus - mit dem Ergebnis, dass die Plagegeister die Streifen mieden, den noch nicht bemalten Teil der Stute aber munter weiter attackierten.

Als grundlegendes Patentrezept gibt die Gruppe Neumitgliedern den Hinweis: "Für dunklere Pferde empfehle ich weiße Streifen und für helle Pferde empfehle ich möglichst dunkle Streifen. Hauptsache kontrastreich und vertikal!" Längst fachsimpeln die Nutzer intensiv über geeignete Farbe. Die Ideen reichen vom Wasser-Mehl-Gemisch (hält nicht so lange) bis hin zu professionellen Viehmarkierungsstiften. Es kursieren ganze Bauanleitungen zu Apparaturen für den temporeichen Farbauftrag. Ein Pferd in drei Minuten bemalen - kein Problem mehr.

Tierarzt: "Vielen Insekten ist das völlig wumpe"

Die ganze Angelegenheit hat einen ernsthaften wissenschaftlichen Hintergrund. Biologen aus Ungarn und Schweden zeigten vor gut einem Jahr, dass Zebras das kontrastreiche Muster offensichtlich auch als Schutz vor Insekten dient. Zuvor hatte die Forschung angenommen, die Streifen erschwerten Raubtieren das Erspähen der Beute. Die These lautete, dass Fressfeinde im flimmrigen Licht der heißen Savanne die Zebras schlecht erkennen oder Probleme haben, einzelne Tiere in einer galoppierenden Herde auszumachen.

Doch das Experiment des Forscherteams um Susanne Åkesson von der schwedischen Uni Lund zeigte, dass blutsaugende Bremsen mit Lockstoff präparierte Attrappen mieden, wenn die gestreift waren. Mehr noch: Je schmaler die Streifen, desto besser. Das Team schrieb: "Wir folgern, dass Zebras ein Felldesign entwickelt haben, bei dem die Streifen so schmal sind, dass sie eine minimale Attraktivität für Bremsen haben."

Genaue Erklärungen fehlen den Forschern allerdings immer noch. Tierarzt Burkhard Bauer, Experte für 'Lästlinge und blutsaugende Insekten' an der Freien Universität Berlin, warnt: "Das ist ein sehr komplexes Thema." Es gebe zwar die Beobachtung, dass Zebras weniger unter der gefürchteten Tsetsefliege leiden. Das aber auf ihr Fellmuster zurückzuführen, könnte ein Trugschluss sein. Womöglich wehrten sich die Zebras ganz einfach besser, etwa mit dem Zucken ihrer Haut.

Für die Reiter, die ihre Pferde in Zebras verwandeln, hat Fachmann Bauer eine ganz populärwissenschaftliche Botschaft: "Vielen Insekten ist das mit Sicherheit völlig wumpe." Schließlich sei Geruch "das überragende Lockmittel" für die Parasiten. Aber wer sein Pferd in mühevoller Arbeit erst einmal bemalt habe, glaube womöglich auch eher an einen Erfolg. "Ein bekannter psychologischer Effekt", sagt Bauer.