Ischgl wurde vom Party- zum Corona-Hotspot

Reiste das Virus von hier um die Welt? "Kitzloch"-Wirt wehrt sich gegen Vorwürfe

24. April 2020 - 15:13 Uhr

Mit Corona-Diagnose bei Barkeeper fing alles an

Es ist erst wenige Monate her, da galt Ischgl noch als Mekka des Après-Ski. Ein Sehnsuchtsort für Skifans, die es nach dem Ritt über die Piste noch ordentlich krachen lassen wollen. Doch der Ruf hat sich schlagartig geändert – heute ist der Ort im Tiroler Paznautal als "Corona-Hotspot" gebrandmarkt: Hunderte Touristen hatten sich in Ischgl mit dem Coronavirus infiziert und den Erreger in weite Teile Europas getragen. In den Fokus rückte mit dem "Kitzloch" schnell jener Partytempel, aus dem am 7. März der erste Corona-Fall Ischgls bekannt wurde: ein deutscher Barkeeper (36), aus dessen "direktem Arbeitsumfeld" sich 15 weitere Personen ansteckten. Haben die Betreiber zu spät gehandelt und dem Virus ein Gratisticket für die Weiterreise ausgestellt? "Kitzloch"-Wirt Bernhard Zangerl wehrt sich gegen die Vorwürfe und schildert im Video seine Sicht der Dinge.

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Ein internationaler Skiort – wie geschaffen für ein Virus

"Auch wir sind Opfer des Virus", sagt der Wirt zu RTL-Reporter Christof Lang, der sich in dem österreichischen Ort ebenfalls mit dem Coronavirus infizierte. "Ischgl war einfach ein Zwischenstopp, den sich das Virus genommen hat, um sich auf der ganzen Welt zu verbreiten." Dabei habe das Konzept des österreichischen Skiorts – viele Menschen aus aller Welt treffen sich zum Skifahren und Feiern – natürlich eine Rolle gespielt.

"Kitzloch" in Ischgl folgte Vorgaben der Behörden

Ischgl
Das "Kitzloch" in Ischgl. Der Skiort wurde zu einem Hotspot der Corona-Krise. Foto: Jakob Gruber/apa/dpa
© deutsche presse agentur

Den Vorwurf, zu spät reagiert zu haben, weist Zangerl zurück. Das "Kitzloch" habe sich jederzeit an die Vorgaben von der Politik und Behörden gehalten und Entscheidungen nicht etwa auf der Grundlage von Medienberichten getroffen. Nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falls sei auf Anweisung der Behörden das komplette Kellner-Team getauscht und das Lokal desinfiziert worden – die Party durfte weitergehen.

Die Einschätzung der Behörden, eine Ansteckung in einer Après-Ski-Bar sei unwahrscheinlich, hätten die "Kitzloch"-Verantwortlichen "zur Kenntnis genommen" und sich dazu ihren "Teil gedacht". Letztlich habe man sich aber auf die Experten verlassen – und vor allem verlassen müssen. Denn man sei gewohnt, den Ansagen der Behörden Folge zu leisten – "weil wir mittlerweile alles von oben gesagt bekommen, was wir dürfen, was wir nicht dürfen", erklärt Bernhard Zangerl.

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"Man hat die gesamte Situation und das Virus unterschätzt"

Aus heutiger Sicht hätte man natürlich früher schließen müssen – aber der Kenntnisstand sei nun mal ein anderer gewesen. Und dementsprechend schwierig einzuschätzen, was das Richtige und ob das Virus tatsächlich so bösartig sei.

"Man hat die gesamte Situation und das Virus unterschätzt", ist sich Bernhard Zangerl sicher. Das gelte letztlich für jedes Land und habe später zumindest den Vorteil geboten, dass die Menschen drastische Maßnahmen zur Virus-Eindämmung akzeptiert hätten.

Quarantäne in österreichischen Skiorten aufgehoben

Ischgl und weitere Tiroler Skiorte wurden wegen der Corona-Pandemie unter Quarantäne gestellt – für rund sechs Wochen. Inzwischen ist die Sperre wieder aufgehoben, und die Normalität kehrt langsam zurück.

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