Bundesländer erwägen Lockerungen im Tourismus

Kommt bald das Ticket für Tagesausflüge ans Meer?

Coronavirus - Warnemünde
© dpa, Bernd Wüstneck, bwu bsc

28. April 2020 - 9:17 Uhr

Tagestouristen dürfen zuletzt wieder einreisen

Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg wollen Touristen stufenweise wieder zulassen. Allerdings wollen die Bundesländer im Norden Tagestouristen erst ganz zum Schluss wieder erlauben. Das stößt auf Kritik.

"Kiel und Schwerin überspannen den Bogen gewaltig“

Dass Tagestouristen aus Hamburg und anderen Bundesländern vorläufig noch die Einreise nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verboten bleibt, löst Kritik bei Henneke Lütgerath, dem Landesvorsitzenden des CDU-Wirtschaftsrats, aus: "Bei allem Verständnis für Einschränkungen der Grundrechte im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes: Kiel und Schwerin überspannen den föderalistischen Bogen gewaltig. Das Einreiseverbot ist willkürlich, unverhältnismäßig und sehr wahrscheinlich nicht verfassungskonform."

Die CDU-Vereinigung kritisiert den neuen Stufenplan der beiden Landesregierungen im Norden.

"Verhältnis zwischen Hamburgern und Schleswig-Holstein nachhaltig vergiftet“

Gerade in Bezug auf die Beziehungen zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg äußert sich Lüthgerat kritisch und meint, "dass dieses Vorgehen das eigentlich so gute Verhältnis, insbesondere zwischen Hamburgern und Schleswig-Holstein, nachhaltig vergiftet".

Schleswig-Holstein: Zweitwohnungsbesitzer und Dauercamper sollen Vorrang haben

Der Stufenplan Schleswig-Holsteins sieht Folgendes vor:

  • Ab dem 4. Mai können erst einmal Touristen nach Schleswig-Holstein kommen, die dort eine Zweitwohnung besitzen. Auch Dauercamper könnten dann möglicherweise zurückkehren.
  • In einem zweiten Schritt würden dann Ferienwohnungen wieder vermietet unter der Bedingung, dass sich die Gäste selbst versorgen. Ob auch Gaststätten unter bestimmten Bedingungen öffnen können, ist noch nicht klar.
  • Als dritte Stufe ist dann die Öffnung der Hotels geplant. Tagestouristen aus der Umgebung müssen sich also gedulden.

"Verhältnis zwischen Hamburgern und Schleswig-Holstein nachhaltig vergiftet“

Henneke Lüthgerat meint, "dass dieses Vorgehen das eigentlich so gute Verhältnis, insbesondere zwischen Hamburgern und Schleswig-Holstein, nachhaltig vergiftet".

Bezüglich der Öffnung des Landes für Tagestouristen sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz der "Zeit": "Das Thema Tagestourismus steht in dieser Abfolge weiter hinten, weil der am schwersten steuerbar ist. Man könnte für bestimmte Regionen aber Anmeldeverfahren über das Internet schaffen oder Ticketkonzepte, sodass man die Identität der Gäste auch hier kennt."

Ein Sprecher des Ministers machte jedoch auch deutlich, dass dies nur ein Beispiel für eine mögliche Regelung sei. Tagestouristen bedeuteten ihmzufolge ein höheres Infektionsrisiko, weil sie beispielsweise durch Tanken, Autopannen und Einkaufen mehr Kontakte mit anderen Menschen hätten.

Auch Mecklenburg-Vorpommern vorsichtig

Mecklenburg-Vorpommern öffnet seine Grenzen ebenfalls zuerst für auswärtige Besitzer von Ferienwohnungen und Dauercamper. Hotels und Gaststätten stellt die Regierungen erste Lockerungen noch im Mai in Aussicht.

Ein konkretes Datum gibt es aber noch nicht. "Wir wollen anknüpfen an die alte Erfolgsgeschichte, haben aber das Ziel, zu einem sicheren Tourismus unter Corona-Zeiten zu kommen", sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Hinblick auf die niedrigen Infektionszahlen in ihrem Land.

3-Stufen Konzept in Baden-Württemberg

Auch im Landestourismusministerium von Baden-Württemberg ist ein Drei-Stufen-Konzept erarbeitet worden, um den Tourismus im Land langsam wieder zu ermöglichen. Bedingung für die Umsetzung aller drei Schritte ist, dass die Auflagen zur Hygiene eingehalten werden.

  • In der ersten Stufe sollen Freilufteinrichtungen wie Zoos, Parks oder Freilichtmuseen wieder öffnen. Auch Sport- und Freizeitparks sollen wieder zugänglich werden.
  • Stufe zwei sieht dann vor, Ferienwohnungen, Hotels und Museen mit geschlossenen Räumen zu öffnen.
  • In Stufe drei dürfen Besucher auch wieder Hallen- und Freibäder sowie Thermalbäder nutzen.

Einen genauen Zeitplan für die Umsetzung des Konzepts hat die baden-württembergische Regierung noch nicht veröffentlicht.

Bayern will abwarten

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will für weitere Lockerungen erst einmal das Telefonat am 30. April zwischen Angela Merkel und den Minsiterpräsidenten abwarten. Er sagte dem "Focus2: "Ich verstehe doch jedes Kind, das draußen mit vielen Freunden spielen will – oder jeden, der mal wieder zum Abendessen ins Restaurant oder in den Biergarten gehen möchte. Aber die Politik sollte von sich aus nicht den Eindruck erwecken, dass Corona kein Problem mehr sei."

Bund und Länder werden voraussichtlich am 6. Mai über weitere Lockerungen entscheiden.