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Reise ins Krisengebiet: Das sind Ihre Rechte

Reise ins Krisengebiet: Das sind Ihre Rechte

Mit einer Decke zugedeckt hat sich dieser Passagier, der am Donnerstag (15.04.2010) auf dem Flughafen in Frankfurt am Main auf seinen Anschlussflug wartet. Auch in Frankfurt fallen derzeit zahlreiche Verbindungen aus. Nachdem auf Island ein Vulkan ausgebrochen war, kommt es im gesamten europäischen Luftraum zu teils erheblichen Störungen, da die Aschewolke die Sicherheit der Maschinen gefährdet. Foto: Boris Roessler dpa/lhe  +++(c) dpa - Bildfunk+++
Flugausfälle nach Vulkanausbruch
dpa, Boris Roessler

Pauschalreise kann wegen höherer Gewalt gekündigt werden

Erdbeben in Japan, Umsturz in Tunesien oder Unwetter in Thailand - die Lage in beliebten Urlaubsländern der Deutschen kann sich innerhalb kürzester Zeit rasant verändern. Viele Touristen fragen sich dann, ob sie überhaupt noch die gebuchte Reise ins Urlaubsparadies antreten sollen. Aber was konkret sind die Rechte, wenn der Urlaub nicht angetreten werden kann oder sogar abgebrochen werden muss?

Nach § 651j BGB ist eine Kündigung der Reise wegen höherer Gewalt möglich. Was das genau bedeutet, erläutert die Verbraucherzentrale NRW: In Fällen von höherer Gewalt können Buchungen von Pauschalreisen kostenlos storniert und die sonst üblichen Stornierungspauschalen dürfen nicht erhoben werden. Eine Kündigung wegen höherer Gewalt ist auch möglich, wenn die Pauschal­reise bereits angetreten worden ist. Reisende müssen dann die bereits erbrachten Reiseleistungen wie Hin- und Rückflug, Unterkunft und Verpflegung selbst bezahlen. Die Kosten für nicht in Anspruch genommene Leistungen müssen jedoch erstattet werden. Entstehen für die vorzeitige Abreise zusätzliche Kosten, zum Beispiel weil der nächste Flug teurer ist als der eigentlich gebuchte, teilen sich Urlauber und Ver­anstalter die Mehrkosten je zur Hälfte.

Nur-Flug kann nicht kostenlos storniert werden

Rechtsexperten weisen darauf hin, dass eine Warnung des Auswärtigen Amtes, Reisen in ein Land oder ein bestimmtes Gebiet zu unterlassen, als Indiz für die höhere Gewalt gewertet werden kann. Höhere Gewalt, die den Reisenden zu einer Kündigung berechtigt, liegt aber auch dann vor, wenn sich aus der Berichterstattung in den Medien ergibt, dass die Reise in das Zielgebiet nicht durchgeführt werden kann.

Eine Vorstufe der Reisewarnung ist der Sicherheitshinweis. Sicherheitshinweise machen auf besondere Risiken für Reisende und im Ausland lebende Deutsche aufmerksam. Sie können die Empfehlung enthalten, auf Reisen zu verzichten oder sie einzuschränken. Sie berechtigen nicht dazu, eine Reise kostenlos zu stornieren.

Die Reiseveranstalter selber reagieren unterschiedlich auf die Krisenmeldungen. Die meisten bieten eine Stornierung oder Umbuchung der Reise an, manche raten von sich aus sogar ausdrücklich davon ab, eine Reise in ein Krisengebiet anzutreten. Liegt ein Fall der höheren Gewalt vor, muss der Reisende keine Umbuchung akzeptieren. Er kann die gebuchte Reise kostenlos stornieren und woanders buchen, wenn er möchte. Im Ernstfall lassen die Veranstalter die Urlauber mit Sonderflügen aus dem Krisengebiet ausfliegen.

Wenn Sie direkt betroffen sind und sich erkundigen möchten, hier die Service-Hotlines der wichtigen Veranstalter:

Rewe-Touristik, Service-Hotline: (0 22 03) 42-800

TUI Deutschland, Kunden-Hotline 0511-567-8000

Neckermann Reisen und Thomas Cook: 06171 / 65 65 190

Bucher Reisen: 06171 / 65 65 400

Air Marin: 01805 / 36 66 36

Öger Tours: 01805 / 24 25 58

Condor: 01805 / 767757

Die Verbraucherschützer weisen ausdrücklich darauf hin, dass eine Kündigung wegen höherer Gewalt nur bei einer Pauschalreise möglich ist. Wer nur einen Flug gebucht hat, kann nicht kündigen. Nur wenn der gebuchte Flug gestrichen wird oder die Fluggesellschaft freiwillig eine kostenfreie Stornomöglichkeit einräumt, entfällt der komplette Flugpreis.