Streeck und andere positionieren sich gegen Lockdown

Reichen Gebote statt Verbote? „Gefährliche Illusion“: Lauterbach stellt sich gegen Mediziner-Forderung

28. Oktober 2020 - 19:08 Uhr

Wird die Mediziner-Forderung jetzt zum Twitter-Beef?

Am Tag der Krisensitzung von Kanzlerin Merkel und den Ministern haben Vertreter von Wissen- und Ärzteschaft, darunter die Virologen Prof. Hendrik Streeck und Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, eigene Forderungen vorgelegt. Sie sagen, ein Lockdown – auch ein Teil-Lockdown, wie er jetzt ab dem 2. November kommen wird – sei nicht notwendig. Man solle auf sinnvolle, (medizin-)datengestützte Maßnahmen setzen, sich auf den Schutz von Risikogruppen fokussieren und den Bürger*innen vor allem Gebote statt Verbote an die Hand geben, damit das Verständnis in der Bevölkerung nicht einem Trotz weicht.

Im Video erläutert der ebenfalls beteiligte Andreas Gassen, Vorstand der kassenärztlichen Bundesvereinigung, welche Maßnahmen er als sinnvoll erachtet und welche nicht – und warum Gebote aus Medizinersicht besser sind als Verbote.

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Lauterbach und Streeck twittern

Gassen geht im Video konkret auf einen Vorschlag des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach ein, der sich sogar für Corona-Kontrollen in Privatwohnungen aussprach, falls dort in unverhältnismäßigem Umfang gefeiert würde. Lauterbach nahm inzwischen auf Twitter Stellung zu der Forderung der Wissen- und Ärzteschaft. Er teilte den RTL-Artikel zu den Vorschlägen von Streeck und Co. und schrieb folgendes:

"Es ist gefährliche Illusion, wir könnten durch Schutz der Risikogruppen und Appelle [die] Situation beherrschen. Appelle machen wir seit Wochen ohne Wirkung. Risikogruppen machen 40% der Bevölkerung aus. Schade, aber ich bin sicher, die Bevölkerung versteht das."

Virologe Hendrik Streeck hingegen wünscht sich mehr Weitsicht und fordert den Politiker auf, er solle konkrete Vorschläge machen. "Sagen Sie uns doch mal – ganz konkret – wie kommen wir Ihrer Meinung nach durch die nächsten Jahre? Nicht nur die nächsten Wochen?

"Corona ist ein Marathon und kein Sprint"

Für Streeck und Co. ist wichtig, nicht nur kurzfristig mit einer harten Maßnahme die Infektionszahlen herunterzudrücken, sondern eine Lösung zu finden, die ein dauerhaftes Leben mit dem Virus ermöglicht. Corona sei ein Marathon und kein Sprint, so Streeck. Es werde uns noch jahrelang begleiten.

Einen anderen langfristigen Plan im Umgang mit Corona schlägt die Initiative Plan C vor. Eine Woche im Monat freiwilliger Lockdown, dann drei Wochen "normales" soziales Leben mit Einhaltung der AHA-Regeln. "Wir glauben, dass es mit Plan C möglich ist, die Corona-Fallzahlen nachhaltig zu reduzieren – ohne Menschen an die Grenzen ihrer Kräfte zu bringen. Ohne einen zweiten, dauerhaften Lockdown mit ungewissem Ende. Dafür mit einem gesunden Maß an Selbstbestimmung und Planbarkeit", so die Initiatoren. Fürs Erste gelten nun im November allerdings die beschlossenen Maßnahmen des Teil-Lockdowns.

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