Video von Strategie-Gipfel empört

Reiche erschießen: Heftige Diskussionen nach Linken-Äußerung

04. März 2020 - 10:37 Uhr

Bernd Riexinger reagiert mit missglücktem Scherz

"Und auch wenn wir das eine Prozent der Reichen erschossen haben, ist es immer noch so, dass wir heizen wollen, wir wollen uns fortbewegen…" Diese Aussage einer Linken-Politikerin bei einer Diskussion zum Thema Klimaschutz hat heftige Reaktionen ausgelöst. Parteichef Bernd Riexingers Statement dazu wird ebenfalls scharf kritisiert. Er hatte scherzhaft geantwortet: "Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie für nützliche Arbeit ein." Die Aussagen und Reaktionen im Saal sehen Sie im Video oben.

Rücktrittsforderungen an Riexinger aus Union

CSU-Generalsekretär Markus Blume forderte seinen Rücktritt. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nannte die Haltung der Linken und Riexingers "abscheulich". Auch parteiintern gab es Kritik von Bodo Ramelow, der am Mittwoch erneut zur Wahl des thüringischen Ministerpräsidenten antritt.

Hintergrund ist ein Videoausschnitt von einem Strategietreffen der Linken zum künftigen Kurs der Partei, das am vergangenen Wochenende in Kassel stattfand. Der Clip wurde am Dienstag im Netz verbreitet. Er zeigt den Ausschnitt einer Diskussionsrunde. Eine Teilnehmerin äußert sich darin mit den Worten "Energiewende ist auch nötig nach 'ner Revolution. Und auch wenn wir das ein(e) Prozent der Reichen erschossen haben, ist es immer noch so, dass wir heizen wollen, wir wollen uns fortbewegen... naja, ist so, wir müssen mal von dieser Meta-Ebene runterkommen".

Im Hintergrund ist ein Raunen zu hören, vereinzelt gibt es Beifall, aber auch Kopfschütteln. Parteichef Riexinger, der auf dem Podium sitzt, greift nach dem Redebeitrag zum Mikrofon und sagt scherzhaft: "Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein."

Riexinger distanziert sich, Sandra L. entschuldigt sich für Aussage

24.02.2020, Berlin: Bernd Riexinger, Parteivorsitzdender von Die Linke, spricht vor Journalisten in der Bundespressekonferenz zur Wahl in Hamburg. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bern Riexinger, Parteichef bei Die Linke
© dpa, Carsten Koall, wst

Riexinger distanzierte sich bei Twitter davon und schrieb: "Der Kommentar der Genossin war unakzeptabel, wenn auch erkennbar ironisch. Meine Reaktion darauf hätte sehr viel unmissverständlicher sein müssen". Später fügte er hinzu: "Auch wenn der Kommentar einer Teilnehmerin auf der Strategiekonferenz nun völlig aus dem Kontext gerissen wird, er war und ist inakzeptabel. Ich bedauere, dass ich ihn nicht sofort unmissverständlich zurückgewiesen habe."

Auch die Frau, die sich bei der Diskussion mit dem umstrittenen Beitrag zu Wort gemeldet hatte, entschuldigte sich inzwischen:  "Ich entschuldige mich für diese Aussage, die ich in der Aufregung und Gedankenlosigkeit gemacht habe. Sie widerspricht völlig meinen politischen Ansichten, ich verabscheue Gewalt gegen Menschen." 

Es sei ihr in ihrem Statement darum gegangen, deutlich zu machen, dass, auch wenn sich das Verhalten der reichsten ein Prozent mit dem größten ökologischen Fußabdruck ändern würde, man den Klimawandel noch nicht aufgehalten hätte. "Wir brauchen eine aktive, soziale und ökologische Energiepolitik. Diesem Anliegen habe ich durch mein Statement keinen Dienst erwiesen", sagte Sandra L.