Geld-Masterplan

Reich werden für Anfänger: In 5 Schritten ein Vermögen aufbauen

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11. November 2019 - 9:09 Uhr

Finanz-Experten Christopher Klein und Jens Helbig erklären, wie Sie vorgehen sollten

Vom großen Geld träumen wir doch fast alle, oder? Aber die meisten haben leider nur Kleingeld in der Tasche - und auf dem Konto herrscht auch viel zu oft gähnende Leere. Wer darauf keine Lust mehr hat, braucht eine gute Spar-Strategie. Eine Taktik, die Schritt für Schritt aus dem Dispo-Dilemma führt und die Weichen Richtung Wohlstand stellt. Christopher Klein und Jens Helbig kennen sich mit Geld aus, denn die beiden Düsseldorfer sind Finanzwissenschaftler und schreiben Bücher über das Thema Vermögensaufbau ("Geld sparen und clever reich werden"* oder "Der Hamster verlässt das Rad"*). Für RTL.de haben die Finanz-Experten einen Masterplan entworfen, mit dem Sie langfristig ein Vermögen aufbauen.

von Sebastian Priggemeier

Schritt 1: Einnahmen und Ausgaben aufschreiben

Zunächst ist wichtig, dass Sie sich einen Überblick verschaffen. Wie steht es wirklich um Ihre Finanzen? Im Klartext: Wie viel Geld nehmen Sie jeden Monat ein - und wie viel geben Sie aus? "So eine private Vermögensbilanz ist in der Regel schnell erstellt", sagt Christopher Klein. "Danach treffen Sie bessere finanzielle Entscheidungen."

SO GEHEN SIE VOR:
Listen Sie alle größeren finanziellen Posten auf. Ja, ALLE. Und zwar ganz simpel in zwei Spalten:

  1. Vermögenswerte und Verbindlichkeiten
  2. Einnahmen und Ausgaben

Vermögenswerte sind diejenigen Posten, die sich zu Geld machen lassen. Sie lassen sich aufteilen in Bargeld, privater Besitz, Investitionen und Ruhestands-Werte. Zum privaten Besitz gehören aber natürlich auch Immobilien oder Autos (sofern abbezahlt).

Verbindlichkeiten sind alle Posten, bei denen Sie einer dritten Partei Geld schulden. Diese lassen sich aufteilen in gedeckte Schulden (mit einer hinterlegten Sicherheit) und ungedeckte Schulden (wie Kreditkartenschulden oder Unterhaltszahlungen).

Wohin fließt das ganze Geld?
"Nur wer seine Einnahmen und Ausgaben kennt, kann sein persönliches monatliches Budget ausrechnen. Also den Betrag, mit dem Sie noch spielen können", erklärt Christopher Klein. Dafür wieder alle Geldströme auflisten (zusätzlich am besten eine Woche lang alle Alltagsausgaben aufschreiben - Stichwort Haushaltsbuch):

Typische Einnahmen sind zum Beispiel:
Das Gehalt
Einkommen durch einen Nebenjob
Kindergeld
Sonstige Fördergelder und Zuschüsse

Typische Ausgaben sind:
Die Miete
Zinsaufwendungen (zum Abzahlen eines Kredits)
Nebenkosten wie Strom, Wasser, Heizung
Internet / Handy / Entertainment (wie Netflix oder TVNOW)
Benzin
Versicherungen
Lebensmittel (Supermarkt) / Drogerie-Artikel

"Ein Haushaltsbuch zu führen, wirkt wahre Wunder, um die laufenden Ausgaben zu kontrollieren. Man wird sich seiner finanziellen Richtung bewusst und versetzt sich selbst in die Lage, sie zu optimieren", sagt Jens Helbig. Es gibt diverse Haushaltsbuch-Vorlagen zum Ausfüllen im Handel, alternativ können Sie aber auch einfach eine Excel-Datei anlegen.

Schritt 2: Die persönlichen Finanzen optimieren

Haushaltsbuch führen
Kassensturz! Es lohnt sich, ein Haushaltsbuch zu führen
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Überdenken Sie JEDE einzelne Ausgabe, die Sie jetzt aufgeschrieben haben. "Ist mir diese Position wirklich Summe X wert?" Machen Sie sich klar, wie viele Stunden Sie für den Betrag arbeiten müssen. Es gibt überall noch Spar-Potenzial, wie diese Beispiele zeigen.

Geniale Spar-Tipps für den Alltag

  1. Selbst aufsprudeln statt Kistenschleppen! Ein Wassersprudler spart langfristig bares Geld, denn ein Liter Wasser aus dem Hahn kostet in Deutschland nur etwa 0,2 Cent.
  2. Warum hundert Euro für eine neue Jeans ausgeben, wenn Sie für unter zwanzig Euro auch eine gebrauchte in sehr gutem Zustand bekommen? Second-Hand-Plattformen wie "Ubup" helfen, Ausgaben für Kleidung deutlich zu senken.
  3. Brauchen Sie wirklich ein eigenes Auto? Mittlerweile gibt es viele Car-Sharing-Plattformen, bei denen spontan Autos auf Stundenbasis gemietet werden können – voll versichert. Wer Share-Angebote oder Mitfahrgelegenheiten nutzt, entlastet die Umwelt, und spart Kosten für Versicherung, Instandhaltung und Benzin.

Schritt 3: Mit dieser Spezial-Strategie eine Basis ansparen

Kennen Sie schon die 2-Konten-Sparmethode? Mit dieser genial einfachen Strategie lässt sich ganz nebenbei ein Puffer für schwere Zeiten und unerwartete Ausgaben ansparen (drei Brutto-Monatsgehälter sind ideal). Wie das geht? Mit automatischen Daueraufträgen. "Je automatischer das Sparen und Investieren abläuft, umso besser", sagt Ökonom Klein. Sobald der persönliche Not-Puffer (Ihre Basis) angespart ist, können Sie entweder weiter sparen oder den Betrag zusätzlich investieren (mehr dazu in Schritt 4).

SO FUNKTIONIERT DIE 2-KONTEN-STRATEGIE:
Die meisten Menschen haben bereits ein Girokonto und müssten ein zweites anlegen (am besten bei einer Online-Bank ohne Kontoführungsgebühren).

Auf Konto 1 fließen die Einnahmen:
Lohn, Gehalt, Prämien bei Angestellten
Von diesem Konto werden die laufenden Kosten abgebucht:
Miete, Versicherungen, Kosten fürs Auto, Kredite, Kinder, TV, Internet, Telefon, Heizung, usw.

Auf Konto 2 fließt ein fester Spar-Betrag:
Einfach einen Dauerauftrag mit dem Spar- und Investitionsbetrag einrichten. Wie hoch die monatliche Spar-Quote sein sollte? Zwischen 10 und 20 Prozent der monatlichen Einnahmen - je nach Budget, das sich aus der Vermögensbilanz ergibt (Schritt 1).

Mit der 2-Konten-Methode haben Sie sich selbst zuerst bezahlt und sind "gezwungen", mit dem Rest durch den Monat zu kommen, statt zuerst alles auszugeben und am Monatsende kein Geld zum Ansparen mehr zu haben.

Schritt 4: Clever passiv investieren

"Bis Sie den Puffer von drei Brutto-Gehältern erreicht haben, empfehlen wir, 50 Prozent der Summer auf Konto 2 anzusparen und 50 Prozent zu investieren. Ist der Puffer beisammen, können Sie bis zu 100 Prozent investieren - und das Geld so für Sie arbeiten lassen", raten Klein und Helbig. "Wir empfehlen aber, weiter 20 Prozent der Spar-Quote anzusparen, um den Barpuffer zu erhöhen und 80 Prozent der Sparquote zu investieren."

Das Geld, das automatisch investiert werden soll, wird von Konto 2 per Dauerauftrag eingezogen - Monat für Monat. Ihr Ziel sollte sein, langfristig zu investieren und damit das Risiko gering zu halten.

Ist die Basis gelegt (oder in Arbeit), können Sie sich um Investitionen kümmern. Denn auf dem Bankkonto verliert Ihr schönes Geld jedes Jahr an Kaufwert (knapp 3 Prozent Wertverlust pro Jahr wegen der Inflation). "Sie sollten daher lieber in Finanzmärkte investieren. Das ist viel unkomplizierter, als die meisten denken", sagt Buchautor Klein ("Die Faulbär-Strategie zur Million"*).

Was ist zu tun?
Wer in ETF-Sparpläne investiert, braucht kaum Vorkenntnisse und sitzt Krisen an der Börse langfristig aus. ETFs sind gut, weil sie als Sparpläne angelegt werden können (schon ab 25 Euro Sparbetrag pro Monat mit einem Depot von Online-Banken). Als risikoarm gelten die ETFs MSCI World oder MSCI All Country.

Diesen Investitions-Mix empfehlen Christopher Klein und Jens Helbig:

  • 90 Prozent ETFs (davon 70 Prozent Aktien-ETFs und 30 Prozent Anleihen-ETFs),
  • 10 Prozent p2p-Kreditplattformen (alternativ Crowdinvesting)

Bei p2p-Kreditplattformen investieren Sie indirekt in Kredite von anderen Menschen auf dem gesamten Globus. Sie bieten sehr hohe Renditen, sind aber auch sehr risikobehaftet. Da die meisten Plattformen aber eine "Autoinvest"-Funktion bereitstellen, kann man auch hier vom Zinseszins-Effekt profitieren, ohne selbst Zeit investieren zu müssen.

Schritt 5: Mit passivem Einkommen die Arbeitszeit reduzieren

Jetzt gilt es vor allem, sich zurückzulehnen und nicht von den Nachrichten und Börsen-News stressen zu lassen. Unser Horizont ist sehr langfristig und Krisen sitzen wir einfach aus. Verluste macht man an der Börse schließlich nur, wenn man Wertpapiere günstiger verkauft, als man sie gekauft hat. Das ist zwar logisch, aber die meisten Menschen lassen sich, kommt es Spitz auf Knopf, doch emotional zu einem Verkauf hinreißen und halten nicht aus, bis sich die Kurse wieder erholt haben. Bleiben Sie stark! Die Daueraufträge arbeiten für Sie.

"Investieren Sie viele Jahre Geld in passive Einkommensquellen, kann irgendwann der Geldstrom daraus ziemlich groß sein. Sie könnten also theoretisch Ihre Arbeitszeit reduzieren, ohne einen finanziellen Verlust zu erleiden - vor allem, wenn Sie minimalistisch leben", erklärt Geld-Experte Helbig. Das bedeutet mehr zeitliche und örtliche Freiheit bei gleichem Geld.

Mit unserem 5-Schritte-Masterplan kommen finanziell voran. Zwar langsam, aber stetig. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg!

Christopher Klein und Jens Helbig
Die Finanz-Experten Christopher Klein und Jens Helbig haben für RTL.de einen Finanz-Masterplan entworfen
© KLHE-Verlag

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