Reich-Ranicki fordert Wulff zum Rücktritt auf

10. Februar 2016 - 12:57 Uhr

Ansehen des Bundespräsidenten auf neuem Tiefpunkt

Bundespräsident "Wulff muss unbedingt zurücktreten": Das fordert heute Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki im Magazin 'Focus'. Mit dem 91-jährigen Holocaust-Überlebenden bezieht erstmals eine moralische Autorität Deutschlands klar Position gegen das Staatsoberhaupt.

Marcel Reich-Ranicki und Christian Wulff am Freitag beim Holocaust-Gedenken im Bundestag.
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und Bundespräsident Christian Wulff am Freitag beim Holocaust-Gedenken im Bundestag.
© dpa bildfunk

"Wulff hat offenbar zu hohe finanzielle Ansprüche", so Reich-Ranicki. Dadurch könne er als Politiker nicht unabhängig sein. Als moralische Autorität ist der Literaturkritiker ein Mann, dessen Stimme über die Parteigrenzen hinweg Gewicht hat.

Derweil wurde im Bundespräsidialamt das ehemalige Büro des früheren Sprechers von Bundespräsident Wulff, Olaf Glaeseker, durchsucht. An dem Einsatz im Bundespräsidialamt waren ein Staatsanwalt und mehrere Beamte des LKA beteiligt, so Hans-Jürgen Lendeckel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, zur 'Bild am Sonntag'.

SPD will neuen Bundespräsidenten

"Wir haben Unterlagen und Computerdateien beschlagnahmt, die jetzt ausgewertet werden müssen." Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit gegen den früheren Sprecher und engen Vertrauten Wulffs.

Die Sprecherin des Bundespräsidialamtes, Petra Diroll, sagte dem Blatt, "dass Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Hannover am Donnerstag aufgrund eines Beschlusses des Amtsgerichts Hannover das Dienstzimmer des früheren Pressesprechers, Herrn Glaeseker, durchsucht haben."

Die neuesten Entwicklungen in der Wulff-Affäre treiben auch die SPD auf die Barrikaden: "Wenn wir der Kanzlerin anbieten, gemeinsam einen Nachfolger zu suchen, sogar einen CDU-Kandidaten unterstützen würden, dann ist das ja indirekt die Forderung nach eimem Rücktritt", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel.