Bonner Museum erweitert Sammlung zu Rechtsextremismus in Deutschland

Schreibtisch von Walter Lübcke (†65) kommt ins Haus der Geschichte

Walter Lübcke (†65) lenkte zehn Jahre lang bis zu seinem Tod im Jahr 2019 die Geschicke des  Regierungspräsidium Kassel von seinem Schreibtisch aus.
Walter Lübcke (†65) lenkte zehn Jahre lang bis zu seinem Tod im Jahr 2019 die Geschicke des Regierungspräsidium Kassel von seinem Schreibtisch aus.
© dpa, Hermann-Josef Klüber, csc

28. April 2021 - 13:16 Uhr

Regierungspräsidium Kassel lässt Lübckes Arbeitsgegenstände aufbewahren

Das Regierungspräsidium Kassel, kurz RP, überlässt dem Bonner Haus der Geschichte Einrichtungsgegenstände des ermordeten Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke. Dazu zählt auch ein ganz besonders Einrichtungsstück: Lübckes Schreibtisch. Doch was macht den Tisch so besonders?

Lübckes Schreibtisch ist ein geschichtsträchtiges Einrichtungsstück

Vom Schreibtisch aus lenkte der CDU-Politiker zehn Jahre lang bis zu seinem tragischen Tod die Geschicke des Regierungspräsidium Kassel. Doch es ist nicht nur irgendein Gegenstand, der an den Arbeitsplatz des verstorbenen Regierungspräsidenten erinnert. In dem L-förmigen Holztisch steckt ein Stück weit Geschichte: Denn genau dort, soll die Power-Point-Präsentation zu Lübckes Vortrag entstanden sein, den der CDU-Politiker in Lohfelden bei Kassel im Oktober 2015 hielt. Auf einer Bürgerversammlung in Lohfelden stellte Lübcke Pläne zur Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft vor. Während der Veranstaltung wird er von Störenden aus dem Publikum beschimpft. In Reaktion darauf hat er die später zur Berühmtheit erlangten Sätze gesprochen: "Es lohnt sich, in unserem Land zu leben. Da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen".

Aufgrund seiner Worte und seiner aufrechten Haltung soll Lübcke zu einer "Hassfigur im rechtsradikalen Spektrum" geworden sein, so das RP. In der Nacht zum 2. Juni 2019 wurde Walter Lübcke auf seiner Terrasse von einem Rechtsterroristen erschossen.

Lübckes aufrechte Haltung beeindruckte sein Kollegium

Das Bonner Haus der Geschichte wird nun Teile von Walter Lübckes Arbeitsumgebung dauerhaft aufbewahren. "Der Vortrag selbst sowie einige Objekte von Lübckes Schreibtisch wie ein Aufsteller mit den Fahnen von Hessen, Deutschland und Europa gehören ebenfalls zum Konvolut", sagte das RP in einer Mitteilung. Das Haus der Geschichte ergänzt mit Lübckes Objekten seine Sammlungen zur Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus in Deutschland. Hermann-Josef Klüber, Regierungspräsident von Kassel, ist dankbar für die Aufbewahrung: "Unzählige Male habe ich selbst mit ihm an seinem Schreibtisch gesessen und gearbeitet. Walter Lübckes aufrechte Haltung, sein Einsatz für unsere Demokratie und seine Wertschätzung gegenüber dem Grundgesetz haben mich sowie die Kolleginnen und Kollegen im RP stets beeindruckt. Mit seinem unerschütterlichen Glauben an das Gute in allen Menschen ist er mir und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des RP Kassel, die ihn kennenlernen durften, unvergessen."

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