Geldtransporter-Raub - 60-Jähriger in den Niederlanden gefasst

Reemtsma-Entführer Thomas Drach soll hinter Raubüberfällen stecken

Reemtsma-Enführer Thomas Drach im Jahr 2000.
© dpa, Kay Nietfeld

23. Februar 2021 - 15:46 Uhr

Spektakuläre Überfälle auf Geldtransporter in Deutschland

Einmal Verbrecher, immer Verbrecher?! Der 1996 als Reemtsma-Entführer bekannt gewordene Thomas Drach ist in den Niederlanden festgenommen worden. Drach soll drei Raubüberfällen auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt begangen haben. Staatsanwaltschaft und Polizei Köln bestätigten die Festnahme eines 60-Jährigen. Der Beschuldigte stamme aus dem Rheinland und habe in Deutschland keinen feste Wohnsitz. Zuerst hatte die Bild-Zeitung berichtet, dass es sich beim Verdächtigen um Thomas Drach handeln soll.

Bericht: Thomas Drach in Amsterdam festgenommen

Drach soll in Amsterdam von Einsatzkräften überwältigt worden sein, schreibt die Bild-Zeitung. In einer Pressemeldung bestätigten die Ermittler, dass ihre niederländischen Kollegen am Morgen einen vom Amtsgericht Köln erlassenen Europäischen Haftbefehl vollstreckt hätten. Die Aktion sei schon länger vorbereitet worden und sei seinen Informationen gewaltlos über die Bühne gegangen, sagte Staatsanwalt Ulrich Bremer im RTL-Interview.

Dem Verdächtigen würde gemeinschaftlicher schwerer Raub in drei Fällen sowie in einem Fall ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. "Es gibt also mehrere Mittäter von denen wir ausgehen. Die haben wir natürlich auch im Blick", erklärte Bremer. Die Staatsanwaltschaft habe die Auslieferung des Mannes beantragt.

Der 60-Jährige war vor circa neun Jahren aus der Haft entlassen worden und war seitdem untergetaucht. Drach hatte 1996 den Hamburger Millionär und Mäzen Jan Philipp Reemtsma (68) entführt und umgerechnet 16,3 Millionen Euro erpresst.

Autos angezündet und vom Tatort geflüchtet

Die Überfälle wurden demnach im März 2018 und im März 2019 in Köln sowie im November 2019 in Frankfurt am Main verübt. Alle drei Fälle liefen nach einem ähnlichen Muster ab: Die Täter überfielen die Geldboten an ihrem Transporter, flüchteten mit einem gestohlenen Auto und zündeten dieses anschließend in der Nähe an. Danach setzten sie ihre Flucht mit anderen Autos fort.

Bei dem Überfall am Flughafen in Köln-Bonn im Jahr 2019 soll der 60-Jährige ein Maschinengewehr benutzt haben. In dem ausgebrannten Autowrack in Köln-Porz hatten Ermittler ein Sturmgewehr entdeckt, bei dem es sich laut Staatsanwaltschaft um die Tatwaffe handelt. Damals war ein Geldbote durch Schüsse schwer verletzt worden, kurzzeitig schwebte er nach Angaben der Polizei von damals auch in Lebensgefahr. Auch bei dem Überfall vor dem Möbelhaus Ikea in Frankfurt war ein Geldbote durch Schüsse schwer verletzt worden.

Polizei fahndete mit Großaufgebot nach dem Verdächtigen

Die Polizei in Köln und Frankfurt hatten mit einem Großaufgebot nach den Tätern gefahndet. Der Raubüberfall in Köln-Godorf wurde im November 2018 auch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" gezeigt, im August 2020 lief dort auch der Fall aus Frankfurt. Die Ermittler aus Frankfurt zeigten damals auch Bilder des mutmaßlichen Täters – in weißem Kapuzenpulli und schwarzer Jogginghose – und des Fluchtfahrzeugs.

Die Polizei vermutete schon länger einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen. Bei allen drei Überfällen seinen die Täter mit in den Niederlanden gestohlenen Autos mit falschen Kennzeichen geflüchtet. Diese seien dann in der Nähe des Tatorts in Brand gesteckt worden und die Täter seien mit einem weiteren bereitstehenden Fahrzeug geflohen. "Gelegentlich in den Medien geäußerte Vermutungen, wonach Mitglieder der ehemaligen Rote Armee Fraktion an den Taten beteiligt gewesen sein könnten, haben sich in den Ermittlungen nicht bestätigt", erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft.