Nach Coronavirus-Chaos in Australien

Red-Bull-Teamchef Christian Horner nimmt Formel-1-Bosse in Schutz

Christian Horner und Chase Carey im Gespräch beim Brasilien-GP 2017.
© RTL Interactive

23. März 2020 - 11:07 Uhr

Horner stärkt Formel-1-Verantwortlichen den Rücken

Coronavirus-Chaos in der Formel 1: Nach der kurzfristigen Absage des Rennens in Australien ist unklar, wann die neue Saison starten kann. Auch die Rennen in Bahrain, Vietnam, China, den Niederlanden, Spanien und Monaco finden nicht wie geplant statt. Auch Aserbaidschan muss Medienberichten zufolge passen. Vor allem die späte Absage des Australien-GPs nur rund zwei Stunden vor dem 1. Freien Training hat den Formel-1-Bossen viel Kritik eingebracht. Unterstützung für Chase Carey und seine Kollegen gibt es jetzt überraschend von Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Horner: Entscheidungsfindung „ganz schwierig“

"Das große Problem ist: Die Situation entwickelt sich so rasant weiter", so Horner im Interview mit "Motorsport-Total.com". Er glaubt, dass die Verantwortlichen in Australien richtig gehandelt haben. "Man kann schwerlich kritisieren, wenn die Situation so dynamisch ist." Die Entscheidungsfindung sei "ganz schwierig" gewesen, denn "als wir [in Australien] ankamen, gab es noch keinen positiv getesteten Fall. Ein eben solcher trat dann erst auf und es folgte die Entscheidung, nicht zu fahren", erklärte der Red-Bull-Teamchef. Wäre schon vor der Abreise nach Australien jemand aus dem Formel-1-Tross infiziert gewesen, hätte man die Reise gar nicht erst angetreten.

Kritik von Hamilton und Grosjean

12.03.2020, Australien, Melbourne: Formel 1: Pressekonferenz zum Großen Preis von Australien: Lewis Hamilton aus Großbritannien von Team Mercedes reagiert während einer Pressekonferenz. Die neue Saison in der Formel 1 startet am 15. März 2020 im aust
Hielt mit sich mit seiner deutlichen Kritik nicht zurück: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton bei der Pressekonferenz in Australien.
© dpa, Michael Dodge, nwi

Kritik gab es vor allem von den Fahrern. Weltmeister Lewis Hamilton hatte schon während des Medientags in Australien gegen die Formel-1-Verantwortlichen gefeuert. Auf die Frage, warum die Formel 1 trotz rigoroser Maßnahmen in vielen Ländern am Saisonstart festhalte, antwortete der Brite äußerst klar: "Cash is king" - Geld regiert die Welt. "Aber ganz ehrlich, ich weiß es nicht." Es sei in gewisser Weise "schockierend, dass wir zusammen in diesem Raum sind", sagte Hamilton mit Blick auf die dicht an dicht sitzenden Journalisten.

Auch Haas-Pilot Romain Grosjean ging die Formel-1-Bosse jetzt in einem Interview mit dem französischen TV-Sender Canal+ an. "In der Formel 1 hast du keine Wahl", so der Franzose. "Du fährst hin, trotz der Umstände. Und du musst damit klarkommen", gab Grosjean einen Einblick in seine Gefühlswelt. "Deshalb waren wir vor Ort. Ich will aber nicht verhehlen, dass die Stimmung im Fahrerlager speziell war."​

Grosjean: „Zu 99,99 Prozent sicher, dass es einen Fall geben würde“

Gestört habe Grosjean vor allem die Art und Weise, wie die Formel 1 dann mit der Situation vor Ort umgegangen sei. "Man sagte das Rennen nur zwei Stunden vor dem ersten Training ab. Dabei war es zu 99,99 Prozent sicher, dass es einen Fall geben würde", erklärte der 33-Jährige. Seiner Meinung nach hätten die Organisatoren nicht umsichtig genug gehandelt - auch, was die vielen Fans, dicht gedrängt vor den Eingängen und im Fahrerlager, betraf. "Auch da hat die Kommunikation gefehlt", so der Haas-Pilot.

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