Zukunft der Motoren-Regeln

Red Bull droht der Formel 1: Motor-Freeze oder Ausstieg

F1 Eifel Grand Prix
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22. Oktober 2020 - 15:51 Uhr

Drohung vor Portugal GP: Red Bull setzt Deadline-Jahr

In der Formel 1 könnte es in Portgual nicht nur auf der Strecke von Portimao rund gehen. Nach dem Rennen an der Algarve (live bei RTL und auf TVNOW) treffen sich die Teams und die F1-Verantwortlichen zu einem Motoren-Gipfel. Laut "auto motor und sport" setzt Red Bull der Formel 1 die Pistole auf die Brust – entweder wird das Motoren-Reglement ab 2022 eingefroren oder wir sind raus.

Bullen möchten Honda-Technologie weiter nutzen

Red-Bull-Berater Helmut Marko hatte zuvor schon durchblicken lassen, dass die Bullen nach dem Rückzug von Partner Honda Ende 2021 am liebsten die die Honda-Technologie übernehmen und ein eigenes Motorenprogramm auflegen würden. Voraussetzung: Das Motoren-Reglement der Formel 1 wird ab 2022 eingefroren. Das hieße: Keine Weiterentwicklung der Aggregate bis 2025 (solange gilt das Concorde Agreement zwischen den Teams und der Formel 1).

Um Kosten zu sparen, wird das Motoren-Regelwerk ab 2023 ohnehin eingefroren. Für Red Bull zu spät. Der Rennstall soll den F1-Verantwortlichen laut "auto motor und sport" daher ein Ultimatum gestellt haben: Entweder kommt der Motor-Freeze schon 2022 oder Dietrich Mateschitz zieht Red Bull und AlphaTauri aus der Formel 1 zurück.

Die Mateschitz-Teams würden in diesem Fall eine Ausstiegsklausel ziehen, die im neuen Concorde Agreement verankert ist. Es ermöglicht einem Rennstall den Ausstieg aus der F1, solange man diesen rechtzeitig meldet. Wollen die Bullen 2022 die Königsklassen-Weide verlassen, müssten sie dies bis März 2021 mitteilen.

Ferrari sperrt sich gegen Red-Bull-Wunsch

Ob die anderen Teams Red Bull in der Motorenfrage entgegen kommen, ist fraglich. Mercedes ist laut "auto motor und sport" offen, Ferrari sperrt sich. In Maranello argumentiere man demnach, dass Red Bull jederzeit einen Motor von Ferrari oder Renault bekommen könne, der das Team weniger koste als ein eigenes Motorenprogramm.

Die Scuderia sehe nicht ein, warum der Motor nicht auch künftig ein wichtiger Faktor für die Rundenzeit sein soll.

Ein Streitpunkt: Momentan herrscht in der Formel 1 zwischen dem besten (Mercedes) und dem schlechtesten (Ferrari) Motor ein Unterschied, der je nach Schätzung 30 bis 50 PS beträgt. Ein früherer Motor-Freeze würde den PS-Hinterbänklern die Chance nehmen, die Lücke (wenigstens bis 2023) zu schließen.

Auch technisch ist Red Bulls Wunsch nicht ganz einfach umsetzbar: Im kommenden Jahr fließen 20 Prozent Biosprit in den Tank, ab 2023 will die Formel 1 CO2-neutral unterwegs sein. Setzt sich Red Bull durch, müsste die F1 diesen Schritt entweder verschieben oder gar auf 2022 vorziehen.