"Unabhängigkeitsmarsch" in Warschau

Rechte demonstrieren in Polen: Haus wegen Regenbogen-Flagge in Brand gesetzt?

12. November 2020 - 14:37 Uhr

Im Video: Rechte werfen Feuerwerkskörper auf Balkon mit LGBTQ*-Flagge

In Polen sind am Nationalfeiertag am Mittwoch Tausende Rechtsradikale und Nationalisten auf die Straße gegangen. Sie verabredeten sich trotz coronabedingten Verbots zum sogenannten "Unabhängigkeitsmarsch" in der Hauptstadt Warschau. Die Demonstranten warfen laut Polizei Barrieren um und schmissen Steine und Pyrotechnik auf Polizisten. Eine Wohnung entlang der Marschroute ging in Flammen auf. Offenbar wurde dort Feuerwerk auf den Balkon geworfen, weil an dem Haus eine Regenbogen- und eine Frauenrechts-Flagge hingen. Wir zeigen die Szene im Video.

Warschau, Rechte Demo am Unabhängigkeitstag - Wohnung mit Regenbogenfahne mit Raketen beschossen Poland s Independence Day - Independence March 2020 under the slogan Our civilization. Our principles Poland s Independence Day - Independence March 2020
Ein Haus mit Regenbogenfahne wurde von polnischen Rechten mit Raketen beschossen. Eine Wohnung brannte daraufhin ab.
© imago images/Eastnews, Artur Zawadzki/REPORTER via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Gewaltbereite Hooligans nehmen an Protestmarsch in Warschau teil

Die Polizei nahm im Rahmen des Marschs insgesamt 36 Personen fest. Die Beamten hätten auch eine Schusswaffe und Pyrotechnik sichergestellt, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag in Warschau. Bei den Auseinandersetzungen mit den Demonstranten seien 35 Polizisten verletzt worden, drei von ihnen müssten weiterhin im Krankenhaus behandelt werden. "Wir hatten es mit einer Schlacht zu tun." Bei einem Großteil der Randalierer habe es sich um gewaltbereite Fußball-Hooligans gehandelt.

Polen, Rechte Demo am Unabhängigkeitstag in Warschau November 11, 2020, Warsaw, mazowieckie, Poland: November 11, 2020, Warsaw, Poland: Another Independence March was held in Warsaw. Despite the ban on gatherings, almost the entire community of natio
Auch gewaltbereite Hooligans nehmen an Protestmarsch in Warschau teil. 36 Personen wurden festgenommen.
© imago images/ZUMA Wire, Grzegorz Banaszak via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Aufmarsch wegen Corona-Pandemie eigentlich verboten

Wegen der Corona-Pandemie hatte Warschaus Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski den Marsch verboten, zu dem rechte Organisationen für den polnischen Nationalfeiertag aufgerufen hatten. In Polen sind derzeit Versammlungen nur mit maximal fünf Personen erlaubt. Die Veranstalter riefen daraufhin zu einem Auto- und Motorradkorso durch die Innenstadt auf. Viele Teilnehmer ließen jedoch Autos und Motorräder in Nebenstraßen stehen und zogen zu Fuß weiter.

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Rechtsextreme demonstrieren gegen Kommunismus, Sozialismus und LGBTQ*

In den vergangenen Jahren gab es während des Marsches wiederholt schwere Ausschreitungen. In diesem Jahr lautete das Motto: "Unsere Zivilisation, unsere Regeln". Das Plakat dazu zeigt einen Ritter, der einen roten und regenbogenfarbenen Stern zerschlägt - eine Anspielung auf Kommunismus, Sozialismus und die LGBTQ*-Gemeinschaft von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Menschen.

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Rechtsradikale haben in Warschau gegen Kommunismus und Sozialismus demosntriert.
© imago images/ZUMA Wire, Grzegorz Banaszak via www.imago-images.de, www.imago-images.de

LGBTQ*-Feindlichkeit in Polen auf dem Vormarsch

In Polen, das von der rechtskonservativen Partei "PiS" regiert wird, gibt es viele Menschen, die gegen das freie Ausleben von Homosexualität und Transgender sind – einige Angehörige dieser Communitys fühlen sich deshalb nicht mehr sicher. Selbst Polens Präsident betrieb Wahlkampf mit homophoben Aussagen. Einige Städte und Kreise haben sich bereits zu "LGBTQ*-freien Zonen" erklärt.