Wie Verschwörungstheoretiker die Krise ausnutzen

Rechtspopulistisches Magazin plant Großdemo gegen "Corona-Diktatur"

Ein Teilnehmer einer Demonstration von Gegnern der Corona-Maßnahmen.
© dpa, Robert Michael, ert nic

07. Mai 2020 - 13:34 Uhr

Verfassungsschutz stuft "Compact" als Verdachtsfall ein

Das Magazin "Compact" gilt als Sprachrohr der Rechten und wird vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft. Es hetzt gegen Flüchtlinge und bietet Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretikern eine Plattform. In der Corona-Krise versuchen die Macher, den Unmut über die staatlichen Maßnahmen für ihre Zwecke auszunutzen. Jetzt plant die Compact-Initiative eine Großdemo gegen die "Corona-Diktatur" und ruft im Internet zur Unterstützung auf. 20.000 Menschen sollen mobilisiert werden. Schon jetzt nehmen nicht nur Menschen aus dem rechten Spektrum an entsprechenden Demonstrationen teil.

Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur

In Zeiten von Corona haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Die staatlich geförderte Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus engagiert, warnt auf ihrer Homepage: "Die Krise wird bereits […] dazu benutzt, um Menschen gegeneinander, gegen die Wissenschaft und gegen politische Verantwortungsträger aufzubringen." Dies geschehe, indem die Coronakrise mit sachfremden, aber klassisch rechtsextremen Themen wie Migration und Muslimfeindlichkeit in Verbindung gebracht werde oder die Krise als Komplott von Angela Merkels Bundesregierung oder von besonders reichen Menschen wie Bill Gates dargestellt werde. "Oft steht dahinter die antisemitische Ideologie über eine angebliche jüdische Verschwörung, um mit der Krise eine "Neue Weltordnung" (NWO: "New World Order") gegen die deutsche Bevölkerung durchzusetzen", heißt es weiter.

Die Stiftung hat auch die Strategie der Protagonisten analysiert: Diese "geben dabei vor, weder rechts noch links zu sein, sondern das Volk erwecken und vereinen zu wollen. Sie missbrauchen Unzufriedenheit und Naivität von Mitläufern und schaden letztlich legitimen, demokratischen Anliegen wie dem Schutz von Grundrechten."

Attila Hildmann auf Abwegen

 Attila Hildmann zeigt sich als Anhänger von Verschwörungstheorien.
Vegan-Koch Attila Hildmann postet auf Facebook Verschwörungstheorien.
© imago images/Jakob Hoff, imago stock&people via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Wie gefährlich diese Strategie ist, zeigt sich etwa am Fall des Vegan-Kochs Attila Hildmann, der sich in sozialen Medien als Impfgegner inszeniert und damit viele Menschen erreicht. Nach eigener Aussage glaubt er, in Deutschland werde bald die Demokratie abgeschafft und von geheimen Kräften eine "Neue Weltordnung" installiert. Auch Politiker sowie Lothar Wieler, der Chef der Robert Koch-Institutes, sieht Hildmann als Teil dieser Verschwörung. Als er ankündigte, vor dem Reichstag zu protestieren, folgten seinem Aufruf rund 400 Menschen. Im Rahmen der Demonstration wurde ein Kamerateam der ARD angegriffen. Augenzeugen berichteten, dass ganz verschiedene Gruppierungen vor Ort waren und neben dem üblichen rechten Klientel auch Menschen aus dem linken Spektrum anzutreffen waren – eine gefährliche Mischung.

Auch "Compact" schlägt im Aufruf zur Demonstration ähnliche Töne an: "Aufruf zur bundesweiten Demo gegen Notstandsgesetze und Impfzwang – wenn SIE mitmachen. Wie lange will uns das Merkel-Regime noch einsperren? Sind wir freie Bürger oder Versuchskaninchen von Big Pharma?", heißt es auf der Homepage. "Notwendig ist jetzt mehr als Wut und Empörung im Internet – Notwendigkeit ist die Bereitschaft, raus auf die Straße zu gehen", schreibt "Compact"-Chefredakteur Jürgen Elsässer. Unter seinem Text ist ein Youtube-Video eingefügt, das von der Video-Plattform bereits gesperrt wurde – Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen.