29 Beamte aus Nordrhein-Westfalen suspendiert

Rechtsextreme Whatsapp-Chats: Polizisten schickten sich Bilder von Hitler und Gaskammern

17. September 2020 - 7:27 Uhr

Rassistische Hetze bei Nordrhein-Westfalens Polizei

Sie sollen übelste rassistische, rechtsextreme und flüchtlingsfeindliche Hetze verbreitet haben: In Nordrhein-Westfalen sind 29 Polizisten vom Dienst suspendiert worden, nachdem ihre rechtsextremen Whatsapp-Chats entdeckt worden waren. Mehr als hundert solcher Bilder sollen sie sich geschickt haben. Nach rechtsextremen Vorfällen bei der Polizei auch in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg stellt sich die Frage, ob Polizisten besonders empfänglich für rechtes Gedankengut sind. Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter, äußert sich dazu in unserem Video.

Razzien gegen 14 Polizisten

Herbert Reul, Innenminister von NRW
NRW-Innenminister Herbert Reul sprach in Zusammenhang mit den Whatsapp-Chats von "widerwärtigster" Hetze.
© imago images/Political-Moments, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

"Widerwärtigste" und neonazistische Hetze sei in den Chats betrieben worden, erklärte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch. "Diese Menschen haben das Recht verspielt, die Uniform mit dem nordrhein-westfälischen Landeswappen zu tragen." Der Innenminister informiert am Donnerstag den Landtag über den Ermittlungsstand und fordert eine schonungslose Aufklärung des Falls.

Gegen alle suspendierten Polizisten seien Disziplinarmaßnahmen eingeleitet worden, erklärte Reul 14 Beamte sollen aus dem Dienst entfernt werden. Laut Reul gehören 25 Beamte zum Polizeipräsidium Essen. Es habe Razzien gegen 14 Polizisten an 34 Polizeidienststellen und Privatwohnungen in Duisburg, Essen, Moers, Mülheim und Oberhausen gegeben.

NRW-Innenminister Herbert Reul: "Schande für die Polizei"

Der Minister sprach bei der Pressekonferenz von "einer Schande für die Polizei". In den Gruppen seien 126 Bilddateien verteilt worden, darunter Fotos von Adolf Hitler, aber auch zum Beispiel die fiktive Darstellung eines Flüchtlings in einer Gaskammer. Eine der Chatgruppen sei wahrscheinlich bereits im Jahr 2012 gegründet worden, spätestens im Mai 2015.

Die Hälfte hatte laut den Ermittlern aktiv Bilder eingestellt, die andere Hälfte habe mitgelesen. Reul bestätigte, dass unter den 29 Beamten auch welche mit Migrationshintergrund seien. Die allermeisten Beteiligten hätten irgendwann mal in derselben Dienstgruppe in der zum Polizeipräsidium Essen gehörenden Polizeiwache in Mülheim an der Ruhr gearbeitet. Heute arbeite einer der Beamten im Landeskriminalamt, einer im LAFP, zwei seien im Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD).

Hinweise auf weitere Chat-Teilnehmer erwartet

Reul geht von weiteren Fällen aus. Man habe bisher erst ein Handy gehabt, über das man an die jetzt Beschuldigten herangekommen sei. Bei den Razzien am Morgen seien weitere Handys beschlagnahmt worden. Wahrscheinlich werde man durch deren Auswertung Hinweise auf weitere Chat-Teilnehmer finden. Das Ursprungshandy gehört nach Angaben der Ermittler einem 32-jährigen Beamten der Polizei Essen privat. Er wurde eigentlich verdächtigt, Dienstgeheimnisse an einen Journalisten weitergegeben zu haben. Bei der Auswertung seien dann die rechtsextremen Fotos gefunden worden.