Rechtschreibung? Lernmethode 'Schreiben nach Gehör' ist katastrophal gescheitert

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12. April 2017 - 15:40 Uhr

Lehrer beklagen: Schüler scheren sich einen Dreck um Orthografie

Es ist nicht zu überlesen, dass viele Menschen Probleme damit haben, korrekt zu schreiben. Man sieht es täglich in Emails, die vor Fehlern strotzen. Und man hört Lehrer darüber klagen, dass Schüler sich einen Dreck um Orthografie und Zeichensetzung scheren. Es nicht nur ein subjektiver Eindruck, sondern ein Trend, gegen den die Bildungspolitiker vorgehen sollten.

 Von Christiane Mitatselis 

Kein Problem ist es, in SMS oder WhatsApp-Nachrichten auf Groß- und Kleinschreibung zu verzichten oder Abkürzungen zu gebrauchen. In schnell geschriebenen Texten auf begrenztem Raum ist ein Telegramm-Stil sogar angebracht. Vorausgesetzt, man ist in der Lage, zwischen Sprach-Varianten zu unterscheiden. Das heißt: Einen Brief oder ein Bewerbungsschreiben muss man in korrektem Deutsch verfassen können, denn sonst blamiert man sich und wird nicht ernstgenommen. "Ich bin interresirt an der Stele die sie ausgeschriben haben" – wer so etwas schreibt, ist schon durchgefallen. Derartige Fehler vermitteln den Eindruck, dass der Verfasser entweder ungebildet oder nachlässig ist. Oder beides. 

Sprache sollt nicht respektlos verunstaltet werden

Rechtschreibung ist keine Laune kleinkarierter Bildungsbürger. Sondern eine kulturelle Norm, durch die man sich das Leben in einer Gesellschaft erleichtert. Man hält sich an Rechtschreibregeln, damit der Empfänger die Botschaft problemlos versteht – und man selbst verstanden wird. In Deutschland, wo die Dudenkommission für Orthografie zuständig ist, einigte man sich Ende des 19. Jahrhunderts auf eine einheitliche Rechtschreibung. Es geht dabei auch um Respekt gegenüber dem Kulturgut Sprache. Sie ist ein kompliziertes Gebilde, das sich über viele Jahrhunderte entwickelt hat. Man sollte die Sprache pflegen und sie nicht respektlos verunstalten – was leider immer häufiger geschieht. 

Totaler Flop: Schreiben nach Gehör

Lehrer klagen schon lange darüber, dass Schüler immer schlechter schreiben. Belegt wird das durch diverse Studien. Auch an den Universitäten werden inzwischen Hausarbeiten abgegeben, die vor Fehlern strotzen, das zeigte eine Umfrage unter deutschen Philologie-Professoren im Jahr 2012. 

Was also tun, um diesen Trend zu stoppen? Man sollte ganz unten ansetzen, in den Grundschulen. Die Methode "Schreiben nach Gehör", nach der seit 16 Jahren gelehrt wird, ist ein totaler Flop. Zwei Jahre lang dürfen die Kinder schraibn wi si wolln – erst ab Klasse drei werden sie korrigiert. Fehler haben sich dann bereits eingeschlichen und vielleicht sogar bereits eingeprägt. Die Schüler sind es gewohnt, zu machen, was sie wollen. Und es ist mühsam und zeitaufwendig, ihnen das wieder auszutreiben.

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