'Rechtes Land': Sehen, wo die Nazis zu Hause sind

03. Dezember 2013 - 20:29 Uhr

Interaktive Karte zeigt das Wirken von Neonazis in Deutschland

Fast 13 Jahre zog die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) raubend und mordend quer durch Deutschland. Die Sicherheitsbehörden verstrickten sich im Gerangel um Zuständigkeiten und übersahen so das Terrornetz, mit dem die Zwickauer Neonazi-Zelle Deutschland überzogen hatte. Auch nach dem Tod der mutmaßlichen Haupttäter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt und der Festnahme ihrer mutmaßlichen Komplizin Beate Zschäpe gibt es noch immer braune Bewegungen und Opfer rechter Gewalt, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz kommen. Das Projekt 'rechtesland.de' will genau das ändern und macht mit einer interaktiven Karte das deutschlandweite Wirken von Neonazis sichtbar.

Rechtes Land, NSU, Nationalsozialistischer Untergrund, Neonazis, Crowdfunding
Das Projekt 'Rechtes Land' macht mit einer interaktiven Karte das deutschlandweite Wirken von Neonazis sichtbar.
© Kartenmaterial von OpenStreetMap

Die Karte liefert ein beeindruckendes Gesamtbild, wo und wie Rechte in Deutschland auffällig werden. Dafür werden Orte, Verbände, Morde, Überfälle, Termine und aktuelle Vorhaben erfasst, die in direktem Zusammenhang mit Neonazis stehen. Die jeweiligen Vermerke auf dem digitalen Atlas werden durch weiterführende Informationen und dem Link zur Quelle ergänzt. Darüber hinaus zeigt die Karte auch Gedenkstätten, die an die Nazivergangenheit erinnern und Beratungsstellen im Kampf gegen Rechtsextremismus.

Laut Recherchen mehrerer Zeitungen sollen rechtsextrem motivierte Täter seit der Wiedervereinigung mindestens 152 Menschen getötet haben. Das berichten der 'Tagesspiegel' und die 'Zeit' auf Grundlage gemeinsamer Recherchen. Die Bundesregierung spreche bislang unter Bezug auf Polizeiangaben nur von 63 Todesopfern. Die Zeitungen werteten mehrere Monate Gerichtsurteile aus und befragten Staatsanwaltschaften, Polizeibehörden, Nebenklage-Anwälte und Hinterbliebene von Todesopfern.

"Dank 400 Unterstützern können wir 'Rechtes Land' realisieren"

Das Projekt, das vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz) ins Leben gerufen wurde, finanziert sich über 'Crowdfunding' (Schwarmfinanzierung). Über die Webseite 'startnext.de' sammelten die Aktivisten bisher knapp über 6.000 Euro für ihr Projekt. "Dank der Beiträge von über 400 Unterstützern können wir Rechtes Land realisieren", schrieben die Organisatoren am 31.01.2013 auf 'startnext.de'. Die aktuelle Version erhebe natürlich noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sagte Ulli Jentsch vom apabiz zu 'Süddeutsche.de'. "Aber schon jetzt melden sich Menschen oder Organisationen, die Informationen und Quellen haben. Uns geht es darum, auch die mit in den Prozess einzubinden", so der Projektleiter weiter.

5.000 Euro hatten die Organisatoren als Grundstock für ihr Projekt benötigt. Sollte die Spendensumme 8.000 Euro überschreiten, fließe das überschüssige Geld in einen Spendentopf für die Beobachtung des NSU-Prozesses, der im kommenden Jahr in München beginnt. Dafür wurde eigens ein NSU-Watchblog ins Leben gerufen, auf dem eine unabhängige Aufklärung rund um die NSU-Terrorzelle und ihre rassistischen Morde stattfindet.