Rechte Terrorzelle 'Oldschool Society' plante Anschläge: "Wir hatten Sorge, dass sie völlig durchdrehen"

07. Mai 2015 - 12:29 Uhr

Bei Razzien wurde auch Sprengstoff sichergestellt

Die Anschlagspläne der gestern ausgehobenen rechtsextremen Terrorzelle 'Oldschool Society' waren offenbar weit fortgeschritten. Der Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes begründete den Schlag mit ungewohnt drastischen Worten: "Nach unseren Ermittlungen bestand große Gefahr, dass die Mitglieder der Gruppe ihre Ziele umsetzen würden", so Burkhard Freier in der 'Westdeutschen Allgemeinen Zeitung'. "Wir hatten wegen ihrer Gewaltfantasien Sorge, dass sie völlig durchdrehen." Die Behörden suchen nun nach weiteren Helfern.

Gruppenbild der rechtsextremen Terrorzelle 'Oldschool Society'.
Die "Gewaltfantasien" der rechtsextremen Terrorzelle 'Oldschool Society' zwangen die Behörden zur Razzia.

Mit Razzien in mehreren Bundesländern hatten Spezialeinheiten der Polizei die bisher unbekannte Terrorgruppe am Mittwoch zerschlagen. Bei Durchsuchungen wurde auch Sprengstoff sichergestellt. Die Bundesanwaltschaft ließ vier Verdächtige festnehmen, gegen fünf weitere Beschuldigte wird ermittelt. Auch bei Andreas H., dem mutmaßlichen Kopf der 'Oldschool Society', klickten in Augsburg die Handschellen. Aus seiner rechten Gesinnung machte er nie einen Hehl, fuhr sein Weltbild sogar spazieren. Auf seinem Auto prangt ein Aufkleber mit Nazi-Adler und den Initialen Adolf Hitlers.

"Der GBA (Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof; Anm. d. Redaktion) hat in seiner Presserklärung darauf hingewiesen, dass es möglicherweise um Anschläge auf namhafte Salafisten, Moscheen und Asylbewerberunterkünfte gehen könnte, dass Sprengstoffbeschaffungen vorgenommen wurden", erklärte Roger Lewentz (SPD), Innenminister von Rheinland-Pfalz. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, er sei "sehr froh, dass das im Keim erstickt worden ist". Es bestehe der "Verdacht, dass es sich hier um eine neue Form von rechtsterroristischer Gruppe handelt, einer kriminellen Vereinigung".

"Eher dumpf" und ohne "hohe Intelligenz"

"Der Gruppe gehören etwa zehn Mitglieder an, die per Internet kommunizierten, sich aber auch persönlich trafen. Ihre Planungen waren so weit fortgeschritten, dass man eingreifen musste", sagte Burkhard Freier. "Es handelt sich bei ihnen um Personen, die nicht über eine hohe Intelligenz verfügen, sondern eher dumpf sind." Und es handelt sich offenbar um Personen, die es dem Verfassungsschutz ungewöhnlich einfach gemacht haben: Völlig ungeniert hat die Gruppe öffentlich auf Facebook gehetzt - 'eine Kugel reicht nicht', so das Motto der Seite. 3.000 Fans hatte die gestern geschlossene Page.

Als "eher dumpf" und ohne "hohe Intelligenz" beschrieben Ermittler die Mitglieder und verfolgen jetzt neue Spuren. So soll es zum Netzwerk 'Hooligans gegen Salafismus' rege Kontakte gegeben haben. Nach Informationen der Tageszeitung 'Die Welt' sollen einige Führungskader aus dem Spektrum des organisierten Rechtsextremismus stammen. So soll einer ein ehemaliges NPD-Mitglied sein, ein anderer wiederum der inzwischen verbotenen nordrhein-westfälischen Kameradschaft 'Aachener Land' angehört haben. Wie die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, wollte sich die Gruppierung wohl am kommenden Wochenende im sächsischen Borna treffen. Die Ermittler vermuteten, dass dort über mögliche Anschlagsplanungen gesprochen werden sollte.