Real Madrid im Champions-League-Check

Cristiano Ronaldo ist der Super-Star von Real Madrid.
Cristiano Ronaldo ist der Super-Star von Real Madrid.
© Getty Images, Bongarts

12. April 2013 - 15:13 Uhr

Nach der Meisterschaft im vergangenen Jahr und dem damit verbundenen Sturz des Erzrivalen FC Barcelona vom spanischen Thron ist Real Madrid in dieser Spielzeit von der Meisterschaft so weit entfernt wie Schalke 04. Das Team von Star-Trainer Jose Mourinho ließ es gerade in der ersten Saisonhälfte an Konstanz und der üblichen Dominanz vermissen. Doch das große Ziel ist in diesem Jahr ein anderes: Es soll endlich der 10. Titel in der 'Königsklasse' her.

Doch auch in der Champions League war der Start holprig. Nachdem die 'Königlichen' in der Vorrunde beim Kampf um den Gruppensieg überraschend von Borussia Dortmund eingebremst wurden, setzten sie sich im Achtelfinale gegen Manchester United durch - mit viel Ach und Krach. "Die bessere Mannschaft hat verloren. Wir haben nicht gut gespielt und den Sieg nicht verdient", gestand Mourinho nach dem glücklichen 2:1 in Old Trafford.

Aber das Glück blieb ihnen hold. Mit Schalke-Bezwinger Galatasaray Istanbul erwischte der spanische Meister im Viertelfinale den vermeintlich leichtesten Gegner. Nach dem lockeren 3:0 im Hinspiel und der schnellen Führung im Rückspiel durch Cristiano Ronaldo war das Duell früh entschieden, auch wenn bei der 2:3-Niederlage im Hexenkessel der Türk Telekom Arena am Ende noch einmal so etwas wie Spannung aufkam.

Taktische Ausrichtung

Mourinho lässt sein Team im 4-2-3-1-System auflaufen. Die Spielweise der 'Königlichen' ist von Powerfußball und schnellem Passspiel geprägt. Dies verkörpert wie kein anderer Cristiano Ronaldo, der eine zentrale Rolle in der Real-Taktik einnimmt. Der Portugiese beackert die linke Außenbahn und hat einen unnachahmlichen Zug zum Tor, seine Schusstechnik ist einzigartig. Zudem spielt der seit Wochen überragend agierende Mesut Özil als Spielgestalter im offensiven Zentrum eine wichtige Rolle unter Mourinho. Ein weiterer Faktor ist die starke Bank der Madrilenen. Auf nahezu jeder Position ist Real mit absoluten Spitzenspielern besetzt. Beispielsweise avancierte Luka Modric, der sich bisher keinen Stammplatz erarbeiten konnte, im Rückspiel des Achtelfinales bei ManU zum Matchwinner. Dazu kommen Edelreservisten wie Kaka oder der inzwischen in die erste Elf gerutschte Michael Essien.

Der Star der Mannschaft

Real Madrid im Champions-League-Check
Die Querelen um Jose Mourinho entwickelten sich zum Problem.
© REUTERS, PHIL NOBLE

In einer Ansammlung von Weltstars sticht ein Akteur besonders hervor: Cristiano Ronaldo. Der 28-Jährige ist Dreh- und Angelpunkt im Spiel des spanischen Meisters. Der Portugiese kann Spiele im Alleingang entscheiden. Seit 2009, nachdem er für die Rekordablöse von 94 Millionen Euro von Manchester United gekommen war, erzielte Ronaldo in 130 Ligaspielen unglaubliche 141 Tore. In der Champions League traf er in 90 Spielen 49 Mal (11 Mal in dieser Saison). Allerdings steht er in Spanien im Schatten von Lionel Messi, der ihm auch regelmäßig bei der Wahl zum Weltfußballer keine Chance lässt.

So läuft es in der heimischen Liga

Die Spielzeit in der Primera Division mutierte für Real Madrid schon früh zum Fiasko, zumindest gemessen an den Ansprüchen der 'Königlichen'. Zwar hat man den Stadtrivalen Atletico Madrid inzwischen einkassiert und liegt auf Rang 2, doch mit 13 Punkten Rückstand auf den FC Barcelona ist die Meisterschaft verloren. Dabei erwies sich die starke Bank der Madrilenen auch als Problem. Zu oft schonte Coach Mourinho seine erste Elf, wodurch es Real oft an der Sicherheit der vergangenen Saison fehlte und die Mannschaft Punktverluste hinnehmen musste.

Das Hick-Hack um Mourinho und die Hoffnung Clasico

Mit ein Grund für die durchwachsene Saison dürften die ständigen Diskussionen um Trainer Mourinho sein. Fast täglich kursieren Gerüchte über einen möglichen Abschied von 'The Special One'. "Eines Tages muss ich in den englischen Fußball zurückkehren, zu Chelsea oder einem anderen Verein", lautete einer der Sätze von Mourinho in den letzten Wochen. Er könne nicht leugnen, dass er England trotz des Wetters liebe. Er habe dort ein Haus und eine große emotionale Bindung zum FC Chelsea. "Die Blues sind in meinem Herzen, wie auch Inter Mailand", ergänzte Mourinho.

Aber es gibt auch Hoffnung für Real Madrid. Die Auftritte der Mannschaft in den Clasicos zeigten die wahre Stärke des Teams. Speziell der Gala-Auftritt im Pokal in Barcelona (3:1) war Balsam für die Seele der Real-Anhänger. Zudem wurden die Katalanen auch am darauffolgenden Spieltag im Estadio Bernabeu besiegt. Und Mourinho hat die Angewohnheit - falls er Real wirklich im Sommer verlassen will - sich gerne mit Champions-League-Siegen zu verabschieden. So 2004 mit Porto und 2010 mit Inter Mailand.

Erinnerungen an Dortmund?

Ja, aktuell nicht gerade die besten. In der Vorrunde trafen die beiden Clubs schon zwei Mal aufeinander. Zuhause gewann der BVB verdient mit 2:1, in Madrid hieß es nach einem mitreißendem Kick am Ende 2:2. "Ich glaube aber nicht, dass Real Angst hat", so BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. Die Gesamtbilanz spricht dann auch für die 'Königlichen'. Der BVB gewann lediglich ein Spiel und verlor drei, zwei Mal gab es ein Unentschieden. 1998 hatte es schon einmal in der Königsklasse ein Halbfinale der beiden Clubs gegeben, Real zog ins Finale ein (0:0/2:0). Unvergessen bleibt der damalige 'Torfall von Madrid'.

Größte Erfolge

Weltpokal: 3 (1960,98,2002)

Champions League/ EC Landesmeister: 9 (1956,57,58,59,60,66,98,2000,02)

UEFA-Cup: 2 (1985,86)

UEFA-Supercup: 1 (2002)

Meister: 32, Pokalsieger: 18, Ligapokal: 1